Neapel liegt an der U2.

Bild: © pizzamari.at

Alle paar Monate ist es wieder soweit. Ich will Pizza. Klar, die gibt’s in Wien wie Kernöl in der Steiermark. An jedem Imbiss, in allen Tiefkühlregalen, ja mittlerweile sogar in jeder zweiten gutbürgerlichen Gastwirtschaft. Nicht zu vergessen die unzähligen Lieferservices, die sich wie Hefe in allen größeren Städten vermehren und unsere Gemüter mit ihren liebevoll mit Rechtschreibfehlern bestückten Flyern erheitern. Halt! Hier liegt eine Verwechslung vor. Die Pizza, von der ich rede, kommt nicht ins Haus und sie wird auch nicht von Giovanni bei Kerzenschein und schlechter italienischer Musik serviert. Meine Pizza ist eine von elf anbetungswürdigen Fladen auf der Menükarte der Pizza Mari’. Sie heißt Bianca und ist der Grund, warum ich meinen Urlaub genauso gerne im zweiten Wiener Bezirk wie im sonnigen Italien verbringe. Die Pizza Mari hat mit den typischen Italienern, die uns Österreichern Ansichtskarten-Romantik und mediterranes Flair vorgaukeln, wenig gemein. Wird ein Lokal als „schlicht“ beschrieben, heißt das übersetzt meist kahl, fad und unauffällig. Und genau das ist die Pizza Mari’ mit ihren dunklen Holztischen, nackten weißen Wänden, grellen Halogenröhren und vorhanglosen Fenstern. Aber das alles bemerke ich nie, weil ich viel zu sehr von meiner Bianca abgelenkt bin, die üppig über den Tellerrand hängt und mir die liebsten Grüße aus Neapel ausrichtet. Genau von dort kommen nämlich die wichtigsten Zutaten für Bianca, Salsiccia, Bufala und ihre Freundinnen. Aber auch die Heimatverbundenen unter uns kommen in der neapolitanischen Pizzeria nicht zu kurz – dafür sorgt der original burgenländische Rohschinken, der ohne Verständigungs-schwierigkeiten mit den italienischen Zutaten harmoniert und auch ein beliebter Spielgefährte meiner Bianca ist. Ein Geheimtipp einer Freundin von mir ist die Pizza Limona ohne Tomatensoße, mit Mozzarella und Zitrone. Die steht zwar nicht auf der Karte, lässt sich aber trotzdem gerne zu einem Abstecher in den Ofen bequemen. Wer danach noch nicht satt ist, dem sei die Schokoladentorte ans Herz und auf den Teller gelegt. Nach so einem aufregenden Abend in Neapel ist man garantiert wunschlos glücklich und freut sich nur mehr auf eines: Das eigene Bett. Wie gut, dass man dafür nur mehr in die U-Bahn steigen muss.

Pizza Mari’

Leopoldsgasse 23a, 1020 Wien,  Di-Sa, 12.00-24.00 Uhr, So 17.00-23.00 Uhr, Pizza 6-9€

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