Der Berg ruft nicht. Aber wer dann?

Germknödel, Winter, Skihütte, Winteressen
Der Germknödel ruft © Sarah Krobath

Alle Jahre wieder, wenn die Weihnachtsfeierlichkeiten abgeschlossen sind und alle Geschenke längst als selbstverständlicher Besitz empfunden werden, bleibt eine einzige Sache unerledigt. Christbaum und Weihnachtsbeleuchtung sind weg – aber der Schnee ist noch da. Genau wie mein Snowboard, das seit letztem Winter unbeachtet in der Kellerecke steht und mir beim bloßen Vorbeigehen ein schlechtes Gewissen bereitet. Es wäre mal wieder Zeit, auf die Piste zu gehen. Mein letzter Skiausflug ist schon eine ganze Weile her, vom letzten Skiurlaub ganz zu schweigen. Aber sich bei minus vierzehn Grad genauso viele Schichten anziehen, um dann als ungelenkes Michelinmännchen zwischen einer Polonaise von pflugfahrenden Skischülern die Familienabfahrt hinunter zu brettern, sich auf der 1.500 Meter langen Schlepplifttrasse mit 75-prozentigem Anstieg eine Oberschenkelzerrung zu holen und bei der letzten Abfahrt Bekanntschaft mit jeder noch so gut unter Neuschnee versteckten Eisplatte zu machen? Als Wintersportlerin, die ich nicht bin, frage ich mich zum wiederholten Male, wie ich es die ganzen Jahre zuvor denn immer geschafft habe, mich für diese absurde Pistengaudi zu motivieren. Schließlich muss es doch einen Grund geben für die vielen Skiurlaube in Zauchensee, sechs Uhr morgens beginnenden Tagesausflüge zum Hauser Kaibling und Nachtskifahrten am Semmering. Und dann, ganz plötzlich, fällt mir der Grund wieder ein:

Bild: Girmknoudelin © reenoreluv / Flickr

Er ist rund, weiß und mit Powidl gefüllt. Er badet gerne in einem See aus Vanillesauce und hat im Gesicht viele kleine Sommersprossen aus Mohn. Der Germknödel ruft! Und ich fahre auf Skiurlaub.

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