Interesse kommt von Essen.

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Ich weiß natürlich, dass „Interesse“ sich aus den lateinischen Wörtern „inter“ und „esse“ zusammensetzt. Ich weiß auch, dass es sich dabei um den Infinitiv eines Verbs handelt und, dass sich dieses auf Deutsch mit „teilnehmen“ übersetzen lässt. Trotzdem weiß ich aus eigener Erfahrung, dass zwischen Interesse und Essen ein direkter Zusammenhang besteht, der sich in den unmöglichsten Situationen ganz rücksichtslos offenbart. Zum Beispiel, wenn ich nach einem mehrstündigen Flug im Paradies lande, von einer Spalier aus Palmen begrüßt werde, die Sonne mit den Menschen vor Ort um die Wette strahlt, man in der Ferne das Meer rauschen hören kann und ich selbst nicht das Geringste davon mitkriege. Mein knurrender Magen übertönt die brechenden Wellen bei weitem und der Rosamunde-Pilcher-Sandstrand wird von knusprigen, krümeligen und cremigen Halluzinationen überschattet. Essen. Essen. Essen. Sonst interessiert mich gar nichts mehr. Nicht die blauen Lagunen, die der Reiseleiter anpreist, und auch nicht die angeblich im selben Hotel residierende Prominenz. Neben mir könnte eine Meerjungfrau aus dem Ozean tauchen und ich würde sie keines Blickes würdigen – es sei denn, sie hat ihre wasserfeste, prall gefüllte Arielle-Lunchbox dabei. Erst nach den ersten Salatblättern und einem halben Fladenbrot kehrt mein Interesse beim Mittagessen langsam zurück. Jetzt kann man sich wunderbar mit mir unterhalten, gemeinsam die Umgebung erkunden und sich Hals über Kopf in den Urlaub stürzen. In den nächsten Stunden gehört meine Aufmerksamkeit ganz den Möwen am Himmel, Sehenswürdigkeiten, kleinen Shops und natürlich meiner Begleitung, bis gegen Abend… Essen. Essen. Essen.

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