Geteilter Genuss ist halber Genuss.

Bild: Flickr © Sander van der Wel

Es gibt Portionen, die kann und will man auch gar nicht alleine verdrücken. Also macht man einen auf Bruder und Schwester und teilt sich eben ein Gericht. Keine schlechte Idee, nur bei der Umsetzung hapert’s meistens – und das oft schon von Anfang an.

Das Bestellen: Entweder stellt sich heraus, dass der andere eine Lebensmittelunverträglichkeit hat oder dass er überhaupt auf alles, was einem schmeckt, allergisch reagiert. Während man selbst gierig auf die knusprige Panier schaut, schaut die Begleitung nur auf die Kalorien. Und wenn einem gerade nach einem pikanten Snack ist, hat der andere garantiert Lust auf was Süßes. Für gewöhnlich gibt der Hungrigere irgendwann nach. Dann steht dem Teilen nichts mehr im Wege – bis auf das Teilen selbst.

Das Teilen: Wenn der Hunger erst mal da ist, ist das beste Augenmaß auf einmal weg. Damit liegt die Gerechtigkeit im Auge des Betrachters – will heißen auf dem Teller dessen, der sich das größere Stück gesichert hat. Bevor einem die häppchengewordene Ungerechtigkeit auf den Magen schlägt, lässt man das Halbieren lieber sein und mampft gemeinsam auf gut Glück los.

Das Essen: Ein Bissen für dich, ein Bissen für mich – es könnte so einfach sein. Leider hält sich der Mitesser nur selten an die eigene erprobte Genuss-Choreographie. Von Synchronität keine Spur, immer ist er einem ein paar Kautakte voraus. Spätestens jetzt packt auch das wohlgenährteste Einzelkind der Futterneid und es wird nicht mehr miteinander gegessen, sondern gegeneinander.

Es mag ja Menschen geben, für die es der reinste Genuss ist, ihr Essen mit jemandem zu teilen. Für mich sind es die folgenden vier Worte: „Den Rest bitte einpacken!“

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