Wenn die ka Schnitzel hab’n, fliag’ ma wieder ham!

Bild: Neckermann

Das ganze Jahr über flüchtet man sich zum Griechen seines Vertrauens, versucht mit Moussaka und Spinatstrudel die Ewigkeit bis zum Urlaub zu überbrücken und sein Fernweh in Tsatsiki zu ertränken. Dann ist es endlich soweit, man spaziert am Strand entlang, sucht sich eine kleine Taverne am Meer, beobachtet die Fischer, wie sie mit ihren Booten im Hafen einlaufen, und bestellt sich ein echt griechisches Wiener Schnitzel. Kaum zu glauben, aber es gibt Menschen, die im Urlaub genauso gern Österreichisch essen wie zuhause Griechisch. Schon klar, man will immer das, was gerade schwer zu kriegen ist. Das erklärt, warum hierzulande alle ganz scharf auf Dim Sum, Tapas und Sushi sind, rechtfertigt aber nicht unbedingt den Schnitzel-Hunger auf der Peloponnes. Wirft man einen Blick auf mancher Leute Urlaubsfotos, fragt man sich, warum sie sich überhaupt ins Flugzeug setzen. Hier eine italienische Kirche von außen, da ein Mc Donald’s von innen. Der mallorquinische Biergarten könnte genauso gut mitten in Wien liegen und die Pommes, die der Sohnemann emsig auf seinem Badetuch verteilt, sehen denen vom heimischen Schwimmbad-Buffet zum Verwechseln ähnlich. Wer nach zweiwöchiger Schnitzeljagd am Mittelmeer seinen kulinarischen Horizont doch noch erweitern will, erwirbt am Flughafen noch schnell ein authentisch hellenisches Kochbuch als Souvenir. Damit kann man dann alles, was man im Urlaub verschmäht hat, zuhause nachkochen – vorausgesetzt man findet einen österreichischen Supermarkt, der Myzithra-Käse und Horta (griechisches Blattgemüse) im Sortiment hat. Vielleicht tue ich den Schnitzel-Urlaubern unrecht und hinter ihrem Essverhalten steckt eine ausgeklügelte Taktik. Womöglich ist es der Versuch, sich positiv auf die bevorstehende Heimreise einzustimmen. Denn eines ist sicher, wer die Schnitzel im Ausland probiert hat, freut sich garantiert umso mehr auf Zuhause. Außerdem kann man dann auch endlich wieder zum Lieblings-Griechen gehen.

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