Warum das Gegrillte beim Grillen nur Nebensache ist.

Bild: aboutpixel.com © marshi

Alle Jahre wieder werden ab Mai die Kugel-, Stand-, Holzkohle- und Elektrogrills aus dem Keller oder der Garage geholt und die ersten Grillagen der Saison ausgerufen. Und dafür muss man seinen Freundeskreis gar nicht erst groß zusammentrommeln – vorm Kühlregal und an der Fleischtheke trifft man sie jetzt alle. Gegrillt wird nicht zu einer bestimmten Tageszeit, gegrillt wird den ganzen Tag. Schon morgens geht das Spektakel los: Auf beiden Seiten des Gartenzauns wird geschnippelt, geschnetzelt und spätestens zur Mittagszeit auch schon gebrutzelt. Dafür, dass die Männer uns Frauen die komplexe Tätigkeit des Wendens mit der Grillzange abnehmen, lassen wir schon mal einen Yogakurs ausfallen und üben uns stattdessen in der hochmeditativen Kunst des Marinierens. Grillpartys sind die besseren Tupperpartys: Die vielen mitgebrachten, bunten Schüsselchen verwandeln jeden renovierungsbedürftigen Garten- in den reinsten Gabentisch. Kaum ist das Buffet eröffnet, stapelt sich auf den Tellern knuspriges Knoblauchbrot, Sauce Tartare und Guacamole mischen sich unters selbstgemachte Ketchup und Bohnen verlaufen sich zuerst in den Kartoffelsalat und anschließend in den Mund. Die Grillparty ist in vollem Gang. Und das Gegrillte? Die Steaks brutzeln noch gemächlich vor sich hin, flankiert von ebenso relaxten Haloumi-Streifen und ein paar viel zu blassen Tofu-Würstchen. Inzwischen sind die ersten Soßen bereits aufgetunkt und vom Nudelsalat ist nur mehr der Anstandsrest in der Schüssel. Grillen braucht eben seine Zeit, höre ich eingefleischte Grillschürzenträger schulmeistern. Aber Zeit ist Hunger. Und da ist es auch kein Wunder, dass die meisten schon mit dem Essen fertig sind, wenn der Grillchef endlich verkündet „Essen ist fertig!“. Aber das ist gar nicht weiter schlimm, denn das Beste kommt sowieso erst am nächsten Tag: Das große Reste-Essen. Nach dem Grillen ist schließlich vor dem Grillen.

Tags from the story
, , ,

No Comments

Comments are closed.