Heiße Schokolade zieht man nicht durch den Kakao!

Bild: Flickr, Nikole Herriott © all rights reserved

Ein Kuchen ist keine Torte, Palatschinken sind keine Crêpes und aus einem Schokopudding wird so schnell auch kein Mousse au Chocolat. Keine andere süße Köstlichkeit wird von den Gastronomen jedoch so oft missverstanden wie die Heiße Schokolade. Dabei hat die trinkbare Opulenz mit dem schnöden Kakao, der in Jugendherbergen zum Frühstück aufgetischt wird, genauso viel gemein wie besagte Unterkunft mit einem Vier-Sterne-Hotel. Für einen 08/15-Kakao tut es schon mal das gezuckerte braune Instantpulver aus dem Supermarkt, von mir aus auch ein Chococino aus dem Automaten. Wenn ich aber in einem Altwiener Kaffeehaus eine Heiße Schokolade bestelle und daraufhin eine lauwarme, wässrige Plörre in Hellbeige serviert bekomme, werde ich sauer. So sauer wie die Schlagsahne, die wahrscheinlich schon seit gestern in der Sprühdose vor sich hinreift und dem Schokoladenfiasko die Krone aufsetzt. Hollywood und der Werbeindustrie sei Dank weiß ich nämlich, im Gegensatz zu vielen Kellnern, ganz genau wie eine echte Heiße Schokolade auszusehen hat: Von der schicken Tasse über die kleinen verheißungsvoll aufsteigenden Dampfwölkchen bis hin zur Sahnehaube mit Schokosplittern, die luftig locker über dem dunkelbraunen See thront. Zwar würde ich auch Marshmallows, Pfefferminz- und Zimtstangen keinesfalls vom Tassenrand stoßen, aber in erster Linie geht es doch um die Schokolade. Die ist bekanntlich tiefbraun, je nach Kakao-Konzentration sogar fast schwarz. Die Heiße Schokolade einiger Cafes hingegen ist so blass, dass man sie am liebsten fragen möchte, was ihr denn Schlimmes widerfahren ist. Zum Glück gibt es aber ein paar Genuss-Stätten, in denen die Heiße Schokolade nicht bloß serviert, sondern auch angemessen zelebriert wird. Ob nach einem gut gehüteten Traditionsrezept zubereitet, in der italienischen Schokoladenpudding-Variante, mit dem dazugehörigen Trinkschokoladen-Quirler oder als zart schmelzende Versuchung am Stiel – die Heißen Schokoladen dieser Wiener Cafes und Shops lassen garantiert keinen kalt:

Leones: Der Eissalon verwendet 70%ige Schokolade aus ecuadorianischem Kakao

Demel: Hauseigene Schokolade mit Vanille, Kardamom, Ingwer oder Chili

Süssi: So hätte Sissi ihre Heiße Schokolade getrunken

Phil: Cremige italienische Trinkschokolade in weiß, dunkel und Haselnuss

Cafe Schwarzenberg: Mit Vanille und Zimt, Orangenlikör oder Amaretto

Cafe Nautilus: Ein Besuch reicht nicht zum Durchkosten aller Spezialitäten

Confiserie zum süßen Eck: Schoko-Spielereien von Choc-o-lait bis Zotter

Cristoval & die Zutaten für Gewürz-Trinkschokolade
Cristoval & die Zutaten für Gewürz-Trinkschokolade

 

Wer das Haus lieber nicht verlassen und es sich stattdessen mit seiner Lieblingstasse auf der Couch gemütlich machen möchte, dem sei das Rezept für Gewürz-Trinkschokolade empfohlen, das mir Cristoval vom Kakao Hotel und Spa El Senor de los Caballos auf meiner Reise über die ecuadorianische Kakaoroute verraten hat:


1. Milch mit Zimt und Piment aufkochen, anschließend dieGewürze entfernen
2. Schokolade aus 100% Kakao fein mit einer Küchenreibe reiben
3. Das frisch geriebene Kakaopulver und etwas Zucker in die Gewürzmilch einrühren
4. Geheimtipp von Cristovals Mama: eine Prise Salz hinzufügen

 

Der hohe natürliche Fettgehalt des Kakaos macht die Trinkschokolade wunderbar dickflüssig und cremig. Übrigens auch kalt wärmstens zu empfehlen!

7 Comments

  • Für mich immer noch am besten: Zotter-Schoki mit dem Zotterquirl! schaumig gerührt! (Der eignet sich übrigens auch ganz wunderbar zum Salatmarinadeschlagen…)

    Liebe Grüße

    • Stimmt, auch wenn das Warten zwischen dem Umrühren meine Geduld jedes Mal auf eine harte Probe stellt 😉 Für die Salatmarinade hab ich den Quirl noch nie missbraucht, wird aber ausprobiert! Lieber Gruß und Zotter-Trinkschokoladen-Prost!

  • Hallo & danke für den Post.
    Ja, die guten Cafes für echte/n Schokolade/Kakao kann man in Wien leider an einer Hand abzählen, (für Cafe braucht man aber auch nur 2 Hände) die Wiener Cafehauskultur im 21ten Jahrhundert ist eine Lüge des Austria-Marketing Büros 🙂 .

    LG Patrik – Kellner, Barkeeper, Barista

  • Danke für die Café-Tipps wo echte heiße Schokolade serviert wird! Ich trinke sie gerne wenn es schon etwas später ist anstatt Kaffee und hab mich auch schon einige Male über das wässrige (und dazu auch noch beizeiten lauwarme) Zeugs was oft als “heiße Schokolade” tituliert wird, geärgert …

    • Hallo Eva! Freut mich, wenn du bei den angeführten Cafes fündig wirst! Koste dich mal durch und verrat mir, wo dir die Heiße Schokolade am besten geschmeckt hat. Und falls dein Favorit auf der Liste fehlt, immer her damit! 😉 Wässrig ist ganz schlimm, H-Milch ist aber auch nicht besser – wenn ich so einen Tetrapak hinter dem Tresen entdecke, bestell ich mir lieber gleich einen Tee… Lieber Gruß, Sarah

  • Hallo Sarah,

    danke für den tollen Eintrag. Welches Cafe bietet die “italienische Schokoladenpudding-Variante”? Zuletzt hatte ich so eine gute heiße Schokolade in London im Caffè Vergnano 1882. Wenn es diese Variante auch in Wien gibt würde ich mich sehr freuen :-D.

    Danke, LG Daniel

    • Danke für deinen Kommentar, lieber Daniel. Probier es einmal im Phil in der Gumpendorferstraße, dort stehen drei Sorten italienische Trinkschokolade auf der Karte – weiß, dunkel und Haselnuss. Viel schokoladiges Vergnügen beim Durchkosten und liebe Grüße, Sarah

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