Essen bis die Tasche platzt.

Bild: Kevin Cornell © www.thesuperest.com

„Sehr gut war’s, aber leider zu viel.“ Also lässt man den nur zur Hälfte geleerten Teller beschämt über das begrenzte Fassungsvermögen des eigenen Bauches wieder vom Kellner abtransportieren. Den Rest einpacken und mitnehmen? Das kommt wirklich nicht in die Tüte und somit auch nicht in die Alufolie. Ganz anders im Urlaub. Dort scheinen diese – und zugegeben nicht nur diese – Hemmungen schon beim Betreten des Speisesaals zu fallen. Ehe man sich’s versieht ist man umgeben von Niki Laudas, die wie aus Funk und Fernsehen bekannt alle nichts zu verschenken haben. Somit wandert alles, was im Magen nicht mehr Platz hat, kurzerhand in Hosensäckel, Badetasche oder Rucksack. Auch der Nachwuchs scheint das „Ich packe in meine Tasche“-Spiel bereits in Perfektion zu beherrschen: Der Bauch ist voll, aber das Bauchtascherl kann noch was vertragen. Schließlich hat man ja nur Halbpension gebucht und läuft Gefahr, in den sieben unendlichen Stunden zwischen der morgendlichen und abendlichen Völlerei zu verhungern. Womöglich sind es aber auch die mangelnden Englischkenntnisse vieler Urlauber, die sie dazu veranlassen, beim „All you can eat“-Buffet soviel zu nehmen, wie sie eben tragen können. Klar, einen Apfel kann man ohne schlechtes Gewissen einpacken, doch dafür interessiert sich im Frühstücksparadies keiner – sind doch alle viel zu sehr damit beschäftigt, Milch in Fläschchen abzufüllen, Kuchen in Tupperboxen zu schichten und Brote fürs Strandpicknick zu schmieren. Würde man jeden Gast beim Betreten und Verlassen des Speisesaals wiegen, brächte so manches wandelnde Buffet nach nur dreißig Minuten garantiert fünf bis zehn Kilo mehr auf die Waage. Sicher ist es nur eine Frage der Zeit und Geduld der Gastronomen, bis sich die Kleiderordnung ins Gegenteil verkehrt und man die Räumlichkeiten nur noch in Bikini und Speedo betreten darf – probier mal einer, da drunter was zu verstecken! Bis es soweit ist, wird jedoch mitgehen gelassen, was die Badetasche hält – was nicht heißt, dass es später auch wirklich gegessen wird. In freier kulinarischer Wildbahn, angesichts der vielen Snack gewordenen Versuchungen verlieren die Souvenirs vom Hotelbuffet nämlich ganz schnell ihren Reiz. Oder sie werden einfach vergessen und einen Tag später unter gerümpfter Nase entsorgt. Das tut dem fröhlichen Proviantplündern aber keinen Abbruch, im Gegenteil: Buffettouristen sind allesamt Optimisten und deshalb wird ihre Tasche auch immer halb voll sein.

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  • Ich war zur Maturareise in einem Magic Life Club. Rund um die Uhr gabs Essen bis zum Abwinken – aber zwischen 5 und 6 Uhr nachmittags nichts. Solch grauenvollen Hunger wie damals habe ich nie wieder verspürt.

    Hach ja…

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