Von Mamis, Babys und Cookies oder einer Babyparty, die keine war.

27 Okt

Bild: © Pottery Barn

Ach, wie süß! Und damit meine ich nicht das kleine Mädchen im rosa Kleidchen, das sich mit Buntstiften eifrig am Kaffeetisch verewigt. Auch nicht das Baby, das auf dem Bauch über den Boden robbt und den Lokalbesitzern damit eine Runde mit dem Wischmopp erspart. Und erst recht nicht denke ich dabei an die plärrenden Zwillinge im schokoladeverschmierten Partnerlook. Mir geht es um die Brownies, Cupcakes und Cookies, die artig in Reih und Krümel auf der überladenen Kuchentheke thronen. Mit mir warten eine Schwangere und ihre Freundin an der Theke. Wie ich höre, sagt der Arzt, es wird ein Mädchen. Bei mir wird’s ein Haferflocken-Cookie mit Nüssen. Obwohl der Grund für mein Erscheinen gerade per Tortenheber auf einen Teller gehievt wird, frage ich mich, was ich hier überhaupt mache. So ähnlich muss sich Bridget Jones als Playboy Häschen auf der Kostümparty, die keine war, gefühlt haben. Mit dem kleinen Unterschied, dass zum Dresscode hier kein edler Zwirn, sondern offensichtlich ein Wonneproppen im Frottee-Strampler gehört. Cookies und Schokolade sind nämlich nicht nur etwas für liebeskranke, herzschmerzgeplagte Single-Ladys, sondern auch das tägliche Zuckerbrot werdender und seiender Mütter. Rüschen, Häkeldeckchen, Latzhosen für Erwachsene und Anne Geddes Bilder von Kleinkindern in Blumentöpfen – Mütter lieben alles, was irgendwie süß ist. Da ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass sie total auf Süßigkeiten abfahren – wer sollte es ihnen auch verübeln? Der Haken ist nur, eine Mutter kommt selten allein und wo Mütter sind, da sind auch Babys. Ich mag Kinder und ich mag Kuchen. Aber nur von einem der beiden vertrag ich auch eine Überdosis.

Bild: © Pottery Barn

Hätte mich mein chronischer Zuckermangel nicht schon öfter in diesen Laden getrieben, ich hätte ihn aufgrund der draußen in zweiter Reihe parkenden Kinderwägen für eine Kindertagesstätte gehalten. Ich bahne mir also den Weg durch das Spielzimmer, pardon, das Cafe und versuche dabei auf keine der Teppichratten zu treten. Als ich endlich einen Platz, der nicht von einer Kuscheldecke oder einem gruselig anmutenden Plüschtier mit viel zu großen Augen okkupiert wird, gefunden habe, nehme ich einen Schluck von meinem frisch aufgeschäumten Cinnamon Latte und versuche mich zu entspannen. Dem Baby, das gerade einen halben Meter neben mir gestillt wird, scheint das ganz gut zu gelingen. Ich scheitere kläglich. Stattdessen versuche ich mir die Zeit zu vertreiben, indem ich ein wenig den Gesprächen der restlichen Besucherinnen – das ist keine politische Korrektheit, sondern bloß die Wahrheit – lausche. Ich habe nichts gegen Heavy Metal oder bildhafte Schilderungen aus dem neuesten Splatter-Movie, aber Gespräche über Koliken, Sterilisation und wunde Brustwarzen sind nicht die Art von Beschallung, die ich zum Nachmittagskaffee schätze. Also schlürfe ich mein Heißgetränk eilig hinunter, tue es dem Keks, der eben noch auf meinem Teller gelegen ist, gleich und verkrümle mich.

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