Super Märkte statt Supermärkte.

11 Apr

Bild: © farmerspal.com

Die besten Märkte brauchen kein „Super-„ vornedran. Sie machen meterhohe Regale und Expresskassen, an denen grantige Mitarbeiter Fließ- bzw. Kassabandarbeit leisten, überflüssig und kommen ganz ohne kollisonsgefährdete Einkaufswägen aus. Im Grunde braucht ein Markt nichts weiter als ein paar Stände mit guten Lebensmitteln darauf und guten Produzenten dahinter. Wenn die, wie beim burgenländischen Markt der Erde, aus höchstens 40 Kilometern in der Umgebung kommen, umso besser. Das am Boden gebliebene Obst und Gemüse hat zwar nicht die Welt gesehen, dafür aber noch echte Handarbeit nach traditionellen Methoden. Jetzt, da sich Bioläden gegenüber Supermärkten in erster Linie nur noch durch ihre hohen Preise auszeichnen und jeder Diskonter seine eigene Biomarke im Angebot hat, scheint „hausgemacht“ das neue „bio“ zu sein. War London bis vor kurzem mit „organic“ zugepflastert, schießen heute Ketten wie Gail’s Artisan Bakery und Marken wie Artisan du chocolat aus dem Boden. Statt auf ein Gütesiegel oder eine Zertifizierung vertrauen viele lieber auf den Menschen hinter dem Lebensmittel. Wozu ein anonymes Labyrinth voller Halogenröhren betreten, wo es sich unter freiem Himmel oder in einem liebevoll geführten Bauernladen doch viel schöner einkaufen lässt? Anstelle eines kurzangebundenen „Darf’s noch was sein?“ bekommt man am Markt zwei Melanzani plus einen Zubereitungstipp gratis und darf Käse auch probieren, statt nur die bemühte Beschreibung auf dem Etikett zu studieren. Für Werbeversprechen und bunte Aktionssticker ist am Markt genauso wenig Platz wie für unnötiges Verpackungsmaterial. Deshalb wandern Paprika und Tomaten nicht in rechteckigen, zellophanierten Kartontassen, sondern so wie Gott sie schuf in Einkaufskorb und -tasche. Die vielen Informationen, die man beim Plaudern am Markt über Herkunft, Herstellung und Endprodukt bekommt, würden ohnehin den Rahmen jeder Plastikfolie sprengen. Im Supermarkt muss man sich mit Ablaufdatum und Inhaltsstoffangabe begnügen und erfährt dabei nicht mehr über ein Lebensmittel als aus einem Reisepass über eine Person. Am Markt ist der Verkäufer im besten Fall auch selbst der Produzent und wenn nicht, ist er mit diesem zumindest eng vertraut. So wie Irene Weinfurter, die im 20. Wiener Bezirk unter anderem handwerklich hergestellte Öle, Marmeladen, Milchprodukte, Fleisch- und Wurstwaren von regionalen Bio- und Demeter-Bauern anbietet. In ihrem Hofladen kann man es sich auch bei schlechtem Wetter gut gehen lassen. Dort kredenzt die Bio-Köchin jeden Freitag Hausmannskost mit Zutaten aus eigenem Anbau. Mit unverschämt günstigen Multipackungen und Minus-25%-Tagen können solche Läden und Märkte freilich nicht aufwarten, das macht sie aber auch nicht weniger super, ganz im Gegenteil.

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