Treffen sich ein Schwede und ein Spanier zum Abendessen…

7 Mai

“The eating-in-bed cookbook” © Barbara Ninde Byfield

Ein Abendessen, das ist die letzte Mahlzeit des Tages, die man zu sich nimmt – Experten zufolge und einem ruhigen Schlaf zuliebe am besten mindestens drei Stunden vor dem Zubettgehen. Aber so schnell ist das Thema nicht gegessen, wie mir mein letzter Besuch in Italien wieder einmal gezeigt hat. In verschiedenen Ländern gibt es nämlich nicht nur verschiedene Tischsitten und Gerichte, sondern auch völlig unterschiedliche Essenzeiten. Für eine kulinarische Zeitverschiebung muss man gar nicht erst in den Flieger nach China steigen, ja nicht einmal Europa verlassen. Mal angenommen, ein Spanier lädt einen Schweden zum Essen ein. Dann kann es passieren, dass sein skandinavischer Gast bereits zur Siesta mit knurrendem Magen bei ihm auf der Matte steht. Schließlich gibt es bei ihm zuhause im Norden gegen 17.00 Uhr “Middag”, was zwar nach Mittag klingt, in Wahrheit aber dem Abendessen entspricht. Um diese Zeit hat der Spanier, Tapas sei dank, selbstverständlich noch keinen Hunger und gedenkt höchstwahrscheinlich erst vier Stunden später das “Cena” einzunehmen. Mit Holländern, Finnen, Dänen sowie Iren können sich Schweden hingegen ohne Missverständnisse zu einem verhältnismäßig frühen Abendessen verabreden. In der Schweiz müsste dem Begriff “Znacht“ zufolge eigentlich erst gegen Mitternacht zu Abend gegessen werden. Wenn nach dem Ausgang, spätestens um 23.30 Uhr, alle Küchen geschlossen haben, werden unterversorgte Nachtschattengewächse jedoch eines Besseren belehrt. Auch die süddeutsche Bezeichnung „Nachtessen“ wäre wesentlich besser im Süden aufgehoben. Bei den aufwändigen Speisen, die in der Türkei aufgetischt werden, darf man sich nicht wundern, wenn das Abendessen frühestens zeitgleich mit dem österreichischen Hauptabendprogramm beginnt. Wer will schließlich prompt nach dem Mittagessen gleich wieder mit dem Füllen von Weinblättern und Paprikaschoten, Pürieren von Kichererbsen und Baklavabacken loslegen? Außerdem kann man ja nicht schon am frühen Nachmittag mit dem Raki-Trinken beginnen. Ähnlich wie in Spanien wird man auch in Griechenland sofort als Tourist enttarnt, wenn man vor 21.00 Uhr in einer Taverne um die Speisekarte bittet. Wer Hungerstrecken auf Reisen vorbeugen will, tut gut daran, seine Essgewohnheiten an die der Einheimischen anzupassen, ansonsten verlässt man sich am besten auf das eigene Bauchgefühl. Denn fest steht: Ganz egal ob in Spanien, Schweden oder der Türkei, Zeit fürs Abendessen wird es dann, wenn der Hunger kommt.

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