Sarah Sitt oder 11 Trinkgewohnheiten

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40 von 100.000 Einsendern waren sich 1999 beim Wettbewerb vom Duden zusammen mit Lipton einig: das Gegenteil von durstig und Pendant zu satt soll „sitt“ sein. Durchgesetzt hat sich das Kunstwort bis heute nicht und auch auf duden.de führt die Suche danach ins Leere. Na hoffentlich hat wenigstens der als Gewinner bestimmte Schüler nach wie vor Freude mit seiner Wortschöpfungs-Urkunde. Ich für meinen Teil habe keinen Bedarf an einer derartigen Bezeichnung. Generell bin ich keine große Trinkerin – etwas, für das man sich in Österreich viel zu oft rechtfertigen muss. Meine liebsten Getränke sind Wasser und Tee und selbst davon trinke ich zu wenig, wenn ich nicht demonstrativ einen großen Krug oder eine Kanne direkt am Schreibtisch platziere. Wein, Bier und Spirituosen verkoste ich lieber als größere Mengen davon zu trinken. 1/16l-Kostgläser sind mir sehr sympathisch. Überhaupt gehört für mich zum Trinken immer auch etwas zu essen. Ein Grund mehr, weshalb mich die Italienischen Aperitivi im Sturm aus Bruschetta, Oliven und Vitello Tonnato erobert haben. Da mich Katharina eingeladen hat, 11 Fragen zu meinen Trinkgewohnheiten zu beantworten, wandle ich das Motto meines Blogs für diesen Beitrag kurzerhand ein wenig ab und widme mich der flüssigen Materie: Man kann vielleicht nicht die ganze Zeit trinken, aber darüber nachdenken.

1. Was ist dein liebster Drink?

Mit großen Abstand Leitungswasser. Das Wasser, das bei uns wie selbstverständlich aus dem Wasserhahn läuft, hab ich während meinem Jahr in Italien neben Schwarzbrot und Kürbiskernöl am meisten vermisst. Es bei meinen Besuchen in der Heimat in Flaschen abzufüllen und anschließend in den Piemont zu exportieren wäre abe völlig pervers! Auch zum Essen im Restaurant ist Leitungswasser mein Favorit. Noch besser, wenn es in einer schick-designten plastikfreien Soulbottle daherkommt und 90% des Preises an Projekte gehen, die mehr Menschen den Zugang zu sauberem Trinkwasser ermöglichen. Da zahlen selbst Herr und Frau Österreicher gerne für ihr Leitungswasser. In welchen Lokalen das sogenannte Soulwater auf der Karte steht, lässt sich übrigens über eine Karte auf der Website herausfinden. Ansonsten bin ich bei Wein, Bier und Cider mehr daheim als bei Geistern, Bränden und Likören.

2. Wann hast du das erste mal Alkohol getrunken?

Gekostet wahrscheinlich im Volksschulalter – den hauseigenen Most aus unserem Keller, den Schaum von Papas Bierkrone oder die Obststücke aus Mamas Sangria. Wirklich getrunken ziemlich sicher mit 14 einen Pfirsichspritzer oder Weißen Spritzer um 10 Schilling.

3. Welchen Drink hast du am meisten bereut?

Unterschätzt hab ich meinen ersten Negroni. Bereut sätmliche Mixgetränke in Clubs und die Drink-Abfolge eines völlig absurden Tasting-Marathons durch das Londoner Vinopolis, den ich hier Revue passieren lassen habe.

4. Bar oder Beisl (Kneipe)?

Am liebsten ein großer Tisch mit guten Freunden. So einer steht wohl eher in einem Beisl. Oder zuhause.

5. Champagner oder Schaumwein?

Bringen mich beide nicht vor Glück zum Überschäumen und landen daher selten in meinem Einkaufskorb. Zwei Schaumweine, die ich gut in Erinnerung habe, sind der Zweigelt Rosé Sekt von Matthias Hager, den mir Jürgen für unser BIORAMA Glasgeflüster empfohlen hat, und der Sekt von Franz Strohmeier, den ich auf einer „Haubensache Bio“-Veranstaltung kennengelernt habe.

6. Mit wem würdest du gerne trinken?

Mit Madame Fromage – gerne auch bei einem gemeinsamen Gin & Käse-Pairing.

Mit Joanne Harris. Wer solche Bücher schreibt, kann nur ein angenehmer und genussfähiger Zeitgenosse sein.

Mit einem Speakeasy-Betreiber im New York der 20er Jahre. Der könnte mir die ganze Nacht Geschichten erzählen.

7. Bei wem würdest du gerne trinken?

Siehe Punkt 4 ­ – bei Freunden. Die meinen es meistens gut mit einem und schenken einem keinen Mist ein. Außerdem gibt es dort weder Dresscode noch Sperrstunde.

moscato8. Wie sieht deine Hausbar aus und was ist das Kostbarste darin?

So wie meine Trinkgewohnheiten: bescheiden. Vom „Just one more job to do and it’s Gin and Tonic time!“-Untersetzer über den Studer Gin bis hin zum Ginepro von Nardini ist aber ein klares Wacholder-Muster erkennbar. Kostbarkeit hat für mich weniger mit dem Preis als mit der Verfügbarkeit zu tun. Besonders kostbar ist für mich der Moscato Passito, den ich aus Kalabrien mitgebracht habe und dessen Flasche einfach zu groß ist, als dass sie bei den anderen stehen könnte. Von allen Moscato Passito Produzenten, durch deren Dessertweine ich mich Saracena kosten durfte, hat mich das Slow Food Presidio von Cantine Viola am meisten begeistert und einfach umgehauen. Auch kostbar, weil viele schöne Erinnerungen dranhängen, ist für mich der Genepy von La Spiritosa, der mit Artemisia Mutellina (Echter Edelraute) aromatisiert ist.

9. Beschreib deine Eiswürfel.

Unspektakulär, aber sie erfüllen ihren Zweck. Sollte mich doch einmal der Ehrgeiz packen, halte ich mich an die „Ode an den Eiswürfel“ von Oliver und Bene auf schoentrinken.at. Die haben das geometrische Wassergefrieren perfektioniert.

untersetzer10. Was ist deine Gin-&-Tonic-Empfehlung?

Die kommt aus der Schweiz: Studer Gin mit Gents Tonic Water. Oder das ebenso ansehnliche wie aromatische Pärchen Ginn & Ginnie von Christine Brugger, dem ich kein Tonic zumuten möchte. Vor kurzem erst kennengelernt und auch gleich Freundschaft geschlossen: Steinhauser See Gin mit Thomas Henry.

 

11. Wie bekämpfst du deinen Hangover?

Präventiv. Mit gutem Essen und meinem Verständnis von Alkohol als Genussmittel.

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