Erst die G’schicht, dann das Vergnügen

Dass der Winzer mit am Tisch sitzt, kommt eher selten vor. Gut, wenn der Sommelier einspringt.

 
„Ich möchte die Geschichte einer Speise kennen“, sagt Carlo Petrini. So wie sich der Slow Food-Gründer gerne die Hände der Produzenten vorstellt, habe ich am liebsten die Stimmen der Winzer im Ohr. Der Wein im Glas erzählt nämlich immer nur die halbe Geschichte. Gut, wenn der Sommelier die andere Hälfte kennt. Etwa hinter dem unfiltrierten Kékfrankos Faß 26 aus dem ungarischen Balf, der sich nicht nur herrlich kühl und würzig, sondern im Vergleich zu den mittelburgenländischen Blaufränkisch-Weinen auch ungewohnt hell, leicht und puristisch mit feinen Tanninen präsentiert. Die von einem Zen-Kochbuch inspirierte Kunst des Weglassens und der Generationswechsel im Hause Weninger machen das Puzzle erst komplett und den Wein als das erlebbar, was er ist – mit den Worten von Franz Reinhard Weninger: „Blaufränkisch reduziert auf das Maximum“.

Der Wein im Glas erzählt immer nur die halbe Geschichte.

(Text erschienen in der Beilage des Sommelierverbandes im Falstaff Karriere Ausgabe 04/2016)

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