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Bücher zum Sattlesen im Sommer

25 Jul

Sattleseliste © Sarah KrobathDie Schweißperlen auf der Stirn und im Nacken ersparen mir den Blick aufs Thermometer. Den Bikini trage ich inzwischen mindestens gleich viel indoor wie außerhalb der eigenen vier Wände. Und beim Blick in den Kühlschrank stelle ich mich neuerdings absichtlich blind, auch wenn ich längst gefunden habe, wonach ich suche. So heiß ich auch vor einigen Monaten noch auf den Sommer war, so sehr wünsche ich meine Dachgeschosswohnung seit ein paar Tagen ins tief verschneite Kopenhagen aus Fräulein Smillas Gespür für Schnee und fände es gar nicht so tragisch, wenn die prophezeite frostige Eiszeit aus The Day After Tomorrow schon heute eintreten würde. Bei vierzig Grad im Schatten über unter Moonboots knirschende Schneewehen zu lesen, klappt irgendwie trotzdem nicht. Genauso wenig wie über dunkle Blasen werfendes Raclette, heißen Cider und Linzeraugen im Zuckergestöber. Das ist mir ganz konkret letzte Woche bewusst geworden, als ich mich entscheiden musste, welche Passage aus meinem eBook Who the f*** is Heidi? ich bei der Buchpräsentation vorlesen würde. Die Zuhörer aufzufordern, sich ein Käsefondue-Experiment oder zähneklappernde Marktverkäufer vorzustellen, wäre bei aller Phantasie zuviel verlangt gewesen. Sommerlektüre muss nun mal im Sommer spielen, sie muss selbst angesichts des drohenden Hitzetodes Lust auf Sommeraktivitäten und ähnlich wie ein saisonales Kochbuch Appetit auf Sommerküche machen. Wer will sich schon Eislandschaften zu Gemüte führen, wenn er dasselbe mit Eistüten tun kann? Wozu sich die Finger nach Skihüttenspätzle lecken, wenn man es nach Freibadpommes tun kann? Und wieso sich krampfhaft den Christkindlmarkt-Dunst von Zimt und Zucker ins Gedächtnis rufen, wo eine imaginäre Nase voll Erdbeerland viel näher liegt? Eben! Darum hab ich eine kleine Liste mit meinen liebsten deutsch- und englischsprachigen Begleitern durch vergangene und den aktuellen Sommer zusammengestellt und freu mich auf eure Ergänzungen!

Zum Sattlachen:

Kochen mit Fernet Branca, James Hamilton-Paterson: Die Füße hochlegen und die Vorstellung der Toscana bei einem Glas Fernet genießen – vorausgesetzt, man wird nicht wie die beiden Hauptfiguren vom Nachbarn gestört.

Maria ihm schmeckt’s nicht, Jan Weiler: Weil Geschichten über italienische Familien und ihre zelebrierten Mahlzeiten einfach großartig sind und man sich unterwegs mit Italienern immer ein wenig wie auf Urlaub fühlt.

Warum Tante Iphigenie mir einen Koch schenkte, Eleni Torossi: Der Multi-Kulti-Mix einer griechischen Großfamilie, der sich ebenso gut liest wie isst (Rezepte inklusive).

Abenteuer satt:

Delancey, A Man, a Woman, a Restaurant, a Marriage; Molly Wizenberg: Eine eigene Pizzeria, das wär’s doch! Und dann auch noch mit dem Kerl, an den man sein Herz verloren hat.

Hitze, Bill Buford: Der Titel passt zum Wetter und das Buch hält, was der Untertitel “Abenteuer eines Amateurs als Küchensklave, Sous-Chef, Pastamacher und Metzgerlehrling” verspricht.

Garlic and Sapphires, Ruth Reichl: Wie wird man eigentlich der Restaurantkritiker der New York Times? Wer das Buch liest, findet’s raus und bekommt dabei Hunger und Lust, sich beim nächsten Restaurantbesuch zu verkleiden.

Genussvolle Erinnerungen:

Paris, ein Fest fürs Leben, Ernest Hemingway: Auch ein Fest zum Lesen! Hemingway lässt einen verstehen, wie wenig es braucht um einfach glücklich zu sein.

Bread & Wine, Shauna Niequist: Weil die besten Gespräche und schönsten Momente am Esstisch stattfinden, nicht nur im Sommer.

Eating wildly, Ava Chin: Weil der Sommer auch uns Städter in die Natur zieht, und das völlig zurecht. Am besten im Grünen lesen!

Burnt toast makes you sing good, Kathleen Flinn: Weil der Nachgeschmack mancher Erinnerungen zum Glück ewig anhält.

Guten-Appetit-Geschichten:

Bittersüße Schokolade, Laura Esquivel: ein Klassiker und immer wieder bittersüßes Lesevergnügen für alle Sinne.

Schlaraffenland, Stevan Paul: Wunderbare Kurzgeschichten als appetitanregendes Urlaubslesefutter zwischen einem Bad in den Wellen und einem Snack am Strand.

Warum man bei „Österreich“ ab sofort „vegetarisch“ denken wird.

18 Sep

Bild: © Sarah Krobath

Wenn man den Österreichern die „Eitrige“ vom Tatzerl, die Leberknödel aus der Suppe und den Tafelspitz, das Gulasch oder gar das geliebte Wiener Schnitzel vom Teller nimmt, was bleibt dann noch übrig? Ein paar staubtrockene Beilagen? Ein letscherter Häuptelsalat? Oder überhaupt nur eine Reihe von Nachspeisen, die ja bekanntlich keine „richtige Mahlzeit“ sind? Als unsere Nachbarn aus Slowenien uns das Kulturgut Käsekrainer abspenstig machen wollten, war der Aufschrei groß. Was vegetarische Gerichte angeht, hält sich der Patriotismus vergleichsmäßig in Grenzen. Die Verpflegung für einen fleischfreien Freitag scheinen die Österreicher lieber anderen Nationen zu überlassen. Mag sein, dass hierzulande weder die Kuh als heilig, noch Pasta als Religion gilt, verstecken braucht sich unsere fleischlose Traditionsküche aber keineswegs. Der Beweis dafür ist 19 mal 24 Zentimeter groß, in Halbleinen gebunden und trägt den Titel „Österreich vegetarisch“. Von Knödeln und Strudel über Nockerl, Fleckerl und Tascherl bis hin zu Schwammerl – alles was in der Österreichischen Küche Rang und ebenso österreichischen Namen hat, ist im neuen Kochbuch von Katharina Seiser und Meinrad Neunkirchner vertreten. Landestypische Gerichte, die ohne Fleisch und Fisch auskommen, gibt es genügend, „diese schnell und zeitgemäß zu kochen, war eher die Schwierigkeit“, so Koch und „Meister der Aromen“ Meinrad Neunkirchner.

Bild: © Sarah Krobath

Gegessen hat man viele der 150 Gerichte bestimmt schon einmal, möglicherweise auch ein paar davon selbst gekocht, sie alle in einem Kochbuch gesammelt in Händen gehalten, aber garantiert noch nicht. Ob auf Bärlauch, Paradeissauce oder Salbeibutter, die flaumigen Sauerrahmnockerl von Seite 46 lassen einen Gnocchi ganz schnell vergessen. Und auch wenn von dem fein mit Kümmel und Majoran abgeschmeckten pikanten Kartoffelgulasch bereits ein Löffel genügt, damit kein Hahn mehr nach Curry kräht, sollte man unbedingt einen Nachschlag bereithalten. Sowohl Kärntner (Kasnudeln), als auch Steirer (Käferbohnensuppe) und Tiroler (Kaspressknödel) dürften sich auf den 272 optisch wie haptisch delikaten Seiten verstanden fühlen, Großeltern die neu interpretierten Rezepte wiedererkennen und auch ihre Enkel sich zurechtfinden. Neben dem Kompott, „eine unterschätzte Mahlzeit“, wie die Autorin findet, werden auch Süßspeisen wie Zwetschkenfleck und Apfelschlangerln, die man früher bei Oma – oder bei Tante Herta aus dem Traunviertel – vom Blech genascht hat, entstaubt und auf gutem alten Lilienporzellan aufgetischt.

Bild: © Sarah Krobath

Dass man österreichische Gerichte mit österreichischen Zutaten kocht, versteht sich von selbst. Am besten mit jenen, die gerade Saison haben, dann bekommt man nicht nur den besten Geschmack, sondern auch keine Blasen an den Füßen vom Gerenne zu verschiedenen Spezialitätenläden. Weil etwa Eier und Erdäpfel das ganze Jahr über erhältlich sind, hat sich ins Buch „Jederzeit“ als fünfte Jahreszeit hineingeschummelt. Diesen Titel kann man auch ruhig wörtlich nehmen, mir will nämlich beim besten Willen keine Situation einfallen, in der Spinatknödel und Kaiserschmarrn nicht angebracht wären.

Bild: © Sarah Krobath

Neben einleitenden Ratschlägen zur Zutatenwahl und für ein entspanntes Kochen, gibt es zu beinahe jedem Rezept Tipps, Varianten und eine Getränkeempfehlung. Wem das Gratinierte Risi Bisi – so wie es einen vom Foto herunter anlacht, äußerst unwahrscheinlich – zu langweilig erscheint, bei dem sorgt die Variante mit Erbsenpüree für frischen Wind in der Pfanne. Roten Veltliner habe ich für meinen Teil auch noch keinen dazu getrunken. Egal ob man einen Kniff sucht, um Gurken raffinierter abzuschmecken – etwa mit Blütenhonig – oder seinen Gästen aus dem Ausland typisch österreichische Kost ohne anschließendes Koma servieren möchte, beim Blättern im Stichwort- und Rezeptverzeichnis wird man fündig, bei einem Blick auf das beiliegende Saisonplakat vor allem hungrig. Von den ebenso raffinierten wie vertrauten Gerichten über die stets richtigen einleitenden Worte, die Katharina Seiser zu jedem Rezept gefunden hat, bis zum „Küchenösterreichisch“ am Ende des Buches, Österreichische Esskultur pur. Wenn diesem Kochbuch überhaupt etwas fehlt, dann noch mehr Lesebändchen.

Bild: © Sarah Krobath

Satt lesen und gewinnen.

22 Okt

“Scheiße, was koche ich heute?” Die Antwort auf die wichtigste Frage jeden Tages findet man entweder beim Blättern in Kochbüchern, beim Stöbern in Foodblogs oder auf der gleichnamigen Website. Auf www.scheißewaskocheichheute.de wird einem die Entscheidung abgenommen und per Zufallsprinzip ein Gericht vorgeschlagen.

Bild: © Sarah Krobath

Weil der Hunger aber nicht immer genau dann kommt, wenn man gerade Internetzugang hat, gibt es das Ganze jetzt auch als Kochbuch. Dieses enthält laut Herausgeber “55 Lieblingsrezepte der besten deutschsprachigen Food-Blogs” und kommt mit einem Zufallsgenerator in Form von zwei Würfeln daher.

Mit etwas Glück würfelt man damit zwei Fünfer und landet geradewegs auf Seite 55, wo mein Rezept für “Haferflocken-Gewürz-Cookies” nur darauf wartet, in die bröselige Tat umgesetzt zu werden. Sowohl für Veganer (Bunter Mangold mit Nudeln & Sahnesauce von Vegan Guerilla) und Vegetarier (Paprika-Granatapfel-Quiche mit Schafskäse von Geschmackvoll Genießen), als auch für Fleisch- und Fischgenießer (Ochsenschanz-Sugo von Jessie schmeckt’s, Rucola-Forellen-Salat von The Stiller) ist etwas dabei. Neben Rezepten etablierter Foodblogs wie No kitchen for old men bekommt man auch Einblick in die Kochtöpfe weniger bekannter Genuss-Schreiber.

Wer das brandneue Kochbuch nicht um 14,95 € online bestellen möchte, kann jetzt eines von zwei Exemplaren gewinnen. Alles, was ihr dafür tun müsst, ist euch sattlesen: Hinterlasst bis zum 5. November im Anschluss an diesen Blogpost einfach einen Kommentar mit dem Titel eures Sarah-Satt-Lieblingstextes. Anschließend werden alle Kommentare durchnummeriert und per Zufallsgenerator zwei Gewinner gezogen. E-Mail-Adresse angeben nicht vergessen!

Viel Glück!

Sarah

Yotam Ottolenghi.

22 Mär

Bild: Yotam Ottolenghi © Malou Burger

Klingt wie der Name eines israelischen Popstars? Könnte fast hinkommen. Was der Koch und Foodkolumnist anfasst, geht nämlich schneller weg als kaltes Freibier auf einem Festival. Bei 40 Grad. Im Schatten. Ohne Wasserversorgung. Das sollen ihm die Popsternchen von heute erst mal nachmachen. Fanatismus sieht mir eigentlich überhaupt nicht ähnlich. In meinem Schrank findet man keine alten Boygroup-Stickeralben, ich war nie auf einer Autogrammstunde und habe auch keinerlei mit Kussmündern versehene Fanpost verschickt. Würde aber Ottolenghi in Popstarmanier um die Welt touren und sei es nur nach Deutschland, ich würde hinfliegen und vor der Halle zelten, um mich sofort nach Einlass mit al dente gekochter Pasta an die Absperrung in der ersten Reihe zu ketten. Und weshalb das Ganze? Weil noch kein Künstler jemals ein Album herausgebracht hat, auf dem mir jedes einzelne Lied gefallen hat. Und so ist es auch mit Kochbüchern – bis zu Ottolenghis „Genussvoll vegetarisch“. Es beinhaltet Rezepte für 125 Gerichte, von denen wirklich jedes absolutes Lieblingsessen-Potenzial hat. Um es mit den schmachtenden Worten eines hysterischen Teenagers zu sagen: „Wir haben so viel gemeinsam!“ Die Liebe zu Auberginen zum Beispiel. Diese wird im Buch gleich mit einem ganzen Kapitel voller fantastischer Rezepte zelebriert. Außerdem ist Ottolenghi kein hundertprozentiger Vegetarier und regt dazu an, seine vegetarischen Hauptgerichte gerne auch mal als eindrucksvolle Beilage etwa zu einem gebratenen Fisch zu servieren. 2010 wurde „Genussvoll vegetarisch“ mit dem Tesco Cook Book of the Year Award, quasi dem Grammy für Kochbuchautoren, ausgezeichnet. Was kommt als Nächstes? Vielleicht ein Stickeralbum? Oder Autogrammstunden? Bis es soweit ist, koche ich mich einfach durch seine vielen Rezepte und träume wie jedes Groupie davon, irgendwann einmal backstage in seine Küche zu dürfen.

Murder she baked.

9 Feb


Was braucht man mehr für einen gemütlichen Abend zuhause, als ein gutes Buch und ein paar noch bessere Kekse? Genau, höchstens noch mehr Kekse. Die Menge richtet sich selbstverständlich stets nach der Länge des jeweiligen Buches. Bei dreihundert Seiten oder mehr kann es schon passieren, dass man sein Lesevergnügen unterbrechen muss, um mal eben schnell im Supermarkt oder zu späterer Stunde an der Tankstelle für Nachschub zu sorgen. Da schafft Joanne Fluke mit ihrer Krimireihe rund um Protagonistin Hannah Swensen Abhilfe. Sie liefert die Rezepte für die Kekse, die in ihren Romanen verspeist werden, nämlich gleich mit. Und weil die süßen Backwaren eine so wichtige Rolle spielen, dürfen ein paar von ihnen auch gleich im Titel mitmischen. Den Anfang macht ein Klassiker, der Chocolate Chip Cookie, im gleichnamigen Mordfall. In „Chocolate Chip Cookie Murder“ wird die junge Bäckerin und Besitzern des „Cookie Jar“ Hannah Swensen mehr oder weniger unfreiwillig in einen Mord verwickelt und setzt alles daran, diesen aufzuklären – mit einer großen Portion Scharfsinn, einer gehörigen Dosis Humor und jeder Menge frisch gebackener Kekse im Gepäck. Eigentlich reicht schon eine Prise Phantasie, um sich in die sympathischen Charaktere hineinzuversetzen, aber es kann auch nicht schaden, beim Lesen an denselben Pecan Chews zu knabbern, über denen auch gerade der stellvertretende Sheriff aus der Geschichte grübelt. Wer humorvolle Krimis und selbstgebackene Cookies mag, der wird sich an der mittlerweile sechzehnteiligen englischen Serie kaum satt lesen können. Gut so, denn die enthaltenen Rezepte sind viel zu lecker, um in irgendeinem Bücherregal zu verstauben.

 

À table!

22 Dez

Bild: Gerstenberg Verlag

Italienisch kochen können wir alle irgendwie – zumindest möchte man das beim Pastaverschleiß in österreichischen, insbesondere studentischen, Haushalten meinen. Pizza hat auch jeder schon mal selbstgemacht oder wenigstens höchstselbst belegt. Aber wie sieht’s mit Französisch in der Küche aus? So eine Käseplatte mit Baguette ist freilich schnell aus dem Einkaufssackerl gezaubert und um eine feine Bouillon kommt auch kein Hobbykoch herum. Abgesehen davon ist so mancher von uns aber maximal Tourist im Weltkulturerbe „Cuisine française“. Das macht das richtige Kochbuch in der Küche zu dem, was ein guter Reiseführer auf Reisen ist – ein Muss. In „À table“ nimmt uns Murielle Rousseau mit auf eine Tour durch die Esskultur Frankreichs und ihre vorwiegend kulinarischen Kindheitserinnerungen. Zu den wichtigsten Sehens- oder Essenswürdigkeiten gehören unter anderem Boeuf Bourguignon, Tarte Tatin und Schokoladentrüffel. Bei insgesamt 75 appetitlichen Souvenirs dürfte selbst der eingefleischteste Italiener auf den französischen Geschmack kommen. Und weil so eine Reise ganz schön durstig macht, gibt es nach landestypischer Manier zu jedem Gericht bien sûr eine Weinempfehlung. Ein paar Speisen wirken auf den ersten Blick vielleicht ein wenig einschüchternd und mühselig – z.B. drei Stunden Schmorzeit – aber nach der ersten Französischstunde erwartet ja auch keiner, gleich fließend sprechen zu können. Kurze Texte über das damalige vie en France, liebevolle Illustrationen und Schwarz-Weiß-Fotos versprühen familiären Charme und machen das Buch der gebürtigen Pariserin zu allem anderen als einem Kochbuch für Pauschaltouristen in der französische Küche.

 

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