We don’t need no (wine) education?

25 Okt
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Bild: © Sarah Krobath

„Also, ganz ehrlich, mich hat der Eisenberg an Tequila erinnert“, outet sich eine junge Dame in Schwarz schmunzelnd als Newcomerin in Sachen Wein. Wie die meisten Einsteiger bevorzuge sie süßere, fruchtbetonte Weine, der Gelbe Muskateller von Lackner-Tinnacher habe ihr jedenfalls ganz gut geschmeckt. Der Weg von Bacardi und diversen anderen Barmixgetränken zum Wein ist ein steiniger, weiß Christoph Wachter. Der 24-jährige Winzer aus dem Südburgenland ist ihn selbst gegangen und hat erst über einen Umweg zum familieneigenen Weingut Wachter-Wiesler, das er heute mit der Unterstützung seiner Eltern leitet, zurückgefunden und seine Begeisterung für regionstypische Rotweine entdeckt. Von der möchten sich auch die zwanzig Mittzwanziger anstecken lassen, die sich um zwanzig, na gut, um neunzehn Uhr im Wein & Co in der Mariahilfer Straße eingefunden haben, um sich von zwei Jungwinzern in die Weinwelt einführen zu lassen. Weiterlesen

Von Blumenkindern und Wiesen im Glas.

9 Okt
Bild: © Sarah Krobath

Bild: © Sarah Krobath

Nein, Hippie ist Herr Paternoster keiner. Der kleine Italiener mit kahlrasiertem Kopf ist lediglich einer, der auf Bienen fliegt und in seinem Beruf, pardon, seiner Berufung voll und ganz aufblüht. „Honig ist der Sohn der Blume“, betont er und zieht dabei beide Augenbrauen zu bauchigen Bögen nach oben, was ihm selbst etwas Bienenhaftes verleiht. Er meint das nicht etwa durch die Blume, sondern vollkommen ernst. Sein Ziel an diesem Vormittag ist es, uns zu zeigen, dass jedes Ökosystem seinen eigenen, einzigartigen Honig hervorbringt. Andrea Paternoster ist Wanderimker und vertreibt seine „Blumenkinder“ unter der erfolgreichen italienischen Marke Mieli Thun. Weiterlesen

Turopolje, Waldviertel, Südweide, Jahrgang 2013.

5 Sep
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Bild: Porcella © Le Foodink GesmbH

Während man von dem Wein im Glas bereits die gesamte Geschichte kennt, bevor man das erste Mal daran schnuppert, geschweige denn nippt, kommt das Steak oder Rinderfilet meist inkognito daher. Paniert, mit Speck umwickelt oder natur, ob es sich um einen Paarhufer oder ein Geflügel handelt, kann der Gast – hoffentlich – noch benennen, was genau er vor sich auf dem Teller hat, ist ihm jedoch unbekannt. Merlot, Pinot Noir, Chablis und Traminer sind jedem Weintrinker ein Begriff. Neben der Appellation, dem Winzer, der Rebsorte und dem Jahrgang, wissen viele sogar über die jeweilige Weinbergslage und ihre Charakteristika zu berichten. Der gemeine Fleischesser hingegen kennt weder die Rasse, häufig nicht einmal die Herkunft seines Koteletts. Weiterlesen

Die italienische Variante von Dinner-Cancelling.

15 Aug
Bild: © Sarah Krobath

Bild: © Sarah Krobath

„Das glauben sie wirklich?“, fragt mich meine italienische Mitbewohnerin ungläubig und starrt mich dabei so entgeistert an, als wolle ich ihr weismachen, dass wir Österreicher bis ins Erwachsenenalter ans Christkind glauben. Über einem Teller ihrer handgemachten Kakao-Tagliatelle mit Porcini habe ich ihr erzählt, dass manche Österreicherin ihrer Figur zuliebe nicht nur das Betthupferl, sondern überhaupt gleich das ganze Abendessen ausfallen lässt. Mit leerem Magen schlafen gehen? Freiwillig? Damit kann die Fünfundzwanzigjährige, die mir gegenüber eifrig – ohne Löffel, versteht sich – Nudeln auf ihre Gabel zwirbelt, genauso wenig anfangen wie mit dem englischen Begriff dafür. Vierzehn Stunden, empfehlen linientreue Abendfaster, sollen zwischen der letzten Mahlzeit an einem und der ersten Nahrungsaufnahme am nächsten Tag liegen. Sagen wir es mal so: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Italiener vierzehn Stunden ohne Unterbrechung am Esstisch verharrt, ist größer. Weiterlesen

Nicht für die Schule, sondern für das Leben kochen wir.

4 Aug
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Bild: © Sarah Krobath

Da sitzen wir nun, andächtig schweigend, gebannt lauschend. Das Omelett hat das Wort. Silent Cooking. Nur kocht diesmal nicht Patrick Müller auf 3Sat, sondern Barny Haughton von der Britischen Square Food Foundation mit 25 Studenten und angehenden Gastronomen in Bra im Piemont.

„Das ist keine Kochschule!“, verteidigen wir uns jedes Mal entrüstet, wenn wieder einmal jemand das Fachgebiet unserer Ausbildung missversteht. Universität der Gastronomischen Wissenschaften, was lernt man da? Von der chemischen Reaktion, die man beim Beträufeln einer Karotte mit Zitronensaft in Gang setzt? Darüber, warum Öl und Eidotter, anfangs unversöhnlich, sich bei geduldigem Rühren doch zu Mayonnaise vereinen lassen? Oder gar kulinarische Experimentalphysik, wie sie Werner Gruber von den Science Busters im Fernsehen verzapft? Weder noch. Und gleichzeitig irgendwie sowohl als auch. Weiterlesen

A tavola con il mondo.

5 Dez
Bild: © Sarah Krobath

Bild: © Sarah Krobath

Südkorea schwenkt andächtig das satte Rot in seinem Weinglas, Kanada plaudert mit Singapur, die Schweiz lässt Österreich von ihrer Vorspeise naschen und Japan gratuliert Puerto Rico nachträglich zum Geburtstag während Finnland großzügig frischen Parmesan über Teller voller Pasta hobelt. Das erste gemeinsame Essen mit meinen Uni-Kollegen, bei dem ich vor knapp zwei Wochen jeden Bissen und Schluck genossen habe, war zweifelsohne einzigartig – das einzige sollte es allerdings nicht bleiben. Bei 27 Mitstudenten aus 17 verschiedenen Ländern macht das Esskultur- und Kommunikations-Studium zwischen zwei Vorlesungen keine Mittagspause. Statt Wurstbroten und Nutellasemmeln wechseln Ratatouille und Kimchi die wissenshungrigen Besitzer, wird am Schulweg über Reiskocher und Pastamaschinen diskutiert und nach Feierabend Nachhilfe in exotischen Lebensmitteln und deren eigentümlichen Bezeichnungen gegeben. Weiterlesen

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