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“La parte humana del chocolate”

21 Okt

unocace16Die Hängematte, die unter dem Dach neben der Trocknungsmaschine mit Blick auf die dreizehn aufgeschütteten Bahnen aus Kakaobohnen gespannt ist, lädt nicht nur zum Dösen in den Arbeitspausen ein, sie ist außerdem ein Symbol dafür, wie bei der Organisation UNOCACE gewirtschaftet wird. Sie fällt mir als Erstes auf, als wir das kleine umzäunte Grundstück in Milagro betreten. Wenn ich wir sage, meine ich übrigens Chocolatier Kevin Kugel mit seiner Partnerin Sylvia, unseren Übersetzer Christian, ein uns zahlenmäßig überlegenes Kamerateam, das unsere Reise auf der Kakaoroute begleitet, und zwei Abgesandte unseres Gastgebers, dem Ministry of Foreign Trade.

Unterwegs auf der Kakaoroute Richtung Milagro

Unterwegs auf der Kakaoroute Richtung Milagro

Vor etwa 15 Jahren gegründet, vertritt die Organisation heute insgesamt 1.260 kleine Kakaoproduzenten, deren Rohware – Edelkakao der Sorte Criollo ­– sie ihnen direkt und für gutes Geld abkauft. 142 $ erhalten die Landwirte pro Pfund (ca. 45 kg) – in etwa so viel wie sonst nur Exporteure einnehmen. Im Anschluss an den aufwändigen Verarbeitungsprozess exportiert die Organisation ca. 1.200-1.400 Tonnen Edelkakao pro Jahr in die Schweiz, nach Deutschland, Holland und in die USA.

Lagerhalle von UNOCACE

Lagerhalle von UNOCACE

Die prall gefüllten Säcke in der Halle treten demnächst die Reise nach Holanda an, wie ihre Aufschrift verrät. Könnte gut sein, dass die Kakaobohnen für den holländischen Bio-Schokoriegel, den mir mein Liebster als Reiseproviant in Wien eingepackt hat, ebenfalls hier in der Zentrale oder in einem der 12 Sammelzentren von UNOCACE fermentiert und getrocknet worden sind. Die Organisation trägt neben dem amerikanischen und kanadischen nämlich auch das europäische und Schweizer Bio-Siegel und ist Fair Trade zertifiziert. Es handelt sich dabei um eine Gruppenzertifizierung aller Gesellschaften, die UNOCACE beliefern, erklärt uns Freddy Cabello, der Geschäftsführer der Organisation.

Freddy Cabello und ich vor der UNOCACE Zentrale

Freddy Cabello und ich vor der UNOCACE Zentrale

Die Antragsstellung für die Zertifizierung übernehmen er und seine Mitarbeiter für die Landwirte. Die unterschiedlichen Siegel schicken dann jeweils ihre Kontrollorgane, um den Produktionsprozess der Organisation zu überprüfen und stichprobenartig das biologische Wirtschaften der Landwirte kontrollieren. Ein finanzieller und zeitlicher Mehraufwand, der sich aber durchaus lohnt und den, nach Freddys Meinung, noch viel zu wenige in Ecuador auf sich zu nehmen bereit sind.

unocace28Bio-Kakao macht aktuell nur einen sehr geringen Teil der Gesamtproduktion des Landes aus. „In Ecuador gibt es keinen Qualitätsstandard“, schildert er die Problematik aus seiner Perspektive. Von den 200.000 Tonnen Kakao, die sein Land im Jahr produziert, handle es sich nur bei 30 Prozent um hochwertige Ware, die in einem angemessenen Prozess hergestellt wird. Das, worauf es dabei ankommt, nennt Freddy „la parte humana del chocolate“.

unocace13Um guten Kakao zu erzeugen, müssen die Arbeiter den kompletten Herstellungsprozess verstehen und gewissenhaft ausführen. Der wichtigste Faktor dabei: das richtige Tempo. Von der Fermentation der frischen exotisch duftenden Kakaobohnen in ihren weißen Kokons über die Trocknung in langen Bahnen bis hin zur mehrstufigen Qualitätskontrolle von Hand hat hier jeder Schritt seinen eigenen Rhythmus und seine individuelle Geschwindigkeit.

Virgiglio rollt die Kakaobohnen alle 30 Minuten mit einem Rechen

Virgiglio rollt die Kakaobohnen alle 30 Minuten mit einem Rechen

Virgiglio beginnt um sieben Uhr morgens damit, die fermentierten Kakaobohnen mit einem Rechen über die Planen zu rollen. Alle dreißig Minuten, an besonders heißen Tagen alle 15 Minuten, bewegt er die noch feuchten Samen, damit sie nicht zusammenkleben und sich kein Schimmel darauf bilden kann. Idealerweise geht die gesamte Trocknung unter der Sonne vonstatten und die durch die Fermentation entstandene Säure baut sich im Lauf von sechs Tagen ab. Wenn das Wetter nicht mitspielt oder der Platz in der Hochsaison knapp wird, kommt die Trocknungsmaschine zum Einsatz und der Kakao wird durch heiße Luft, die in darunterliegende Wärmekammern gepumpt wird, maximal drei Tage lang künstlich nachgetrocknet.

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Die Trocknungsmaschine bei UNOCACE

Piano piano heißt es auch bei der Fermentation. Neben einem fruchtig-hefigen Duft, der an belgisches Bier an einem Hochsommertag erinnert, steigt uns aus den hölzernen Gärkisten unter dem Wellblechdach eine beträchtliche Hitze entgegen. Vier bis fünf Tage verbringen die von den Kakaobauern in Säcken angelieferten frischen Kakaobohnen darin. Danach haben sich die weißen, glitschigen Samen in dunkelbraune Bohnen verwandelt, die Kakao wie wir ihn kennen schon wesentlich ähnlicher sind und beim Aufschneiden lila bluten.

In den Holzkisten fermentieren die Kakaobohnen und bilden dabei für die Aromabildung wichtige Säure

Während der Fermentation entsteht die für die Aromabildung wichtige Säure

Die langsamen Prozesse sind entscheidend für die Qualität, werden sie beschleunigt, wirkt sich das selbst bei der besten Bohne als Ausgangsmaterial negativ auf Aroma und Geschmack aus. Wie UNOCACE die Qualität des Kakaos sichert, können wir wenig später im Labor beobachten, das aufgrund der Abwesenheit von neuartigen Technologien und chemischen Anwendungen mehr an eine Werkstatt erinnert.

Ledy bei der Qualitätskontrolle von Hand

Ledy bei der Qualitätskontrolle von Hand

Auch hier ist alles Handarbeit. Qualitätskontrolleurin Ledy geht mit uns die Testabfolge anhand einer mit einem Buchstaben (Gesellschaft) und Zahlenkürzel (Woche) versehenen Probe Schritt für Schritt durch. Nachdem der Prozentanteil an Verunreinigungen in einer Probe festgestellt und das Durchschnittsgewicht von 100 Bohnen ermitteln worden ist, wird eine Schneideprobe mithilfe einer sogenannten Guillotine genommen und die Farben im Inneren werden verglichen.

Guillotine für Kakaobohnen Schnittproben

Guillotine für Kakaobohnen Schnittproben

Nach einer Feuchtigkeitsmessung werden die Bohnen wie in einer Miniatur-Chocolaterie bei 120° C geröstet, anschließend geschält, gemahlen und zu Cocoa Liquor geschmolzen. Abschließend geben ein Geruchs- und Geschmackstest über die Qualität der Bohnen Auskunft. Wir lassen uns die abgekühlte, immer noch flüssige Schokolade langsam auf der Zunge zergehen und staunen über das herb-nussige Aroma, das noch Minuten später auf unseren Geschmacksnerven verweilt. Ähnliche Organisationen wie UNOCACE gibt es noch sechs weitere in Ecuador. Freddy wünscht sich, dass sie sich in Zukunft mit dem Ziel eines einheitlichen Preises und Qualitätsstandards zu einer gemeinsamen zusammentun. Dass man solchen Entwicklungen in Ecuador Zeit geben muss, versteht aber niemand besser als er. Freddy für seinen Teil will das Produktionsvolumen von UNOCACE steigern und die Welt künftig mit noch mehr edlem Bio-Kakao aus Ecuador versorgen. Schneller wird sich dieser auch dann nicht produzieren lassen, eine zweite Hängematte, finde ich, wäre aber angebracht.

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Auch Chocolatier Kevin fand die handwerklichen Prozesse bei UNOCACE faszinierend

Dahin, wo der Kakaobaum wächst

18 Okt

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Für die Maya war klar, der Kakaobaum kann nur göttlichen Ursprungs sein. Die internationalen Forscher sind sich zumindest darüber einig, dass seine Geschichte in Südamerika begonnen hat. Ganz genau mit einer Stecknadel auf der Landkarte festpinnen lässt sich seine Herkunft bis heute nicht, sie dürfte aber in der Umgebung der Flüsse Napo, Caquetá und Putumayo liegen. Als hätten sie sich von den Kolonialmächten Ende des 19. Jahrhunderts überreden lassen, die Kontinente zu tauschen, wächst heute 70% des Kakaos der Welt in West- und Zentralafrika und der Großteil des ursprünglich in Afrika beheimateten Kaffees in Südamerika. Nachdem Brasilien jahrelang die Liste als größter Kakaoproduzent Lateinamerikas angeführt hat, wurde das Land letztes Jahr von Ecuador mit 220.000 Tonnen überholt. Und das vom Äquator durchquerte Land hat große Pläne – mit Kakaobäumen, die seit 2009 neu gepflanzt wurden, will Ecuador schon nächstes Jahr Platz Vier unter den Weltkakaoproduzenten einnehmen. Während Afrika ertragreicheren und resistenteren Massenkakao anbaut, hat sich Südamerika und insbesondere Ecuador als Produzent von Edelkakao hervorgetan. Weil der Anteil dessen, was im internationalen Handel als „Fine Flavour Cocoa“ bezeichnet wird, an der Weltproduktion weniger als 5 % beträgt, reisen Chocolatiers aus aller Welt auf der Suche nach den besten Bohnen in dieses „Disneyland für Kakao“ wie es Ivan Ontaneda, der Präsident des nationalen Kakaoexportverbands Anecacao, nennt. Einen von ihnen, Meister-Chocolatier Kevin Kugel, darf ich auf Kakao-Expedition begleiten. Auf Einladung des Ministery of Foreign Trade in Ecuador werde ich an seiner Seite nächste Woche Kakao-Haziendas, die Organisation der ecuadorianischen Kakao-Kleinbauern, UNOCACE, und Schokoladehersteller, die Schokolade bean to bar bzw. tree to bar direkt im Ursprungsland erzeugen, besuchen und meine Eindrücke auf sarahsatt.com sowie auf biorama.eu mit euch teilen.

Nun bekommt man nicht jeden Tag die Gelegenheit, „Hola!“ zu einem Kakaobauern zu sagen und mit ihm über die aktuelle Ernte, seine Vorstellung von Ecuadors künftiger Rolle in der Schokoladewelt und die Bedeutung von biologischem Kakaoanbau in seinem Land zu plaudern. Weil es glücklicherweise keine Einfuhrbeschränkungen für auf der Zunge brennende Fragen gibt, möchte ich nicht nur mit meinen eigenen im Gepäck nach Ecuador reisen, sondern gerne auch eure mitnehmen und weitergeben.

Was wolltest du schon immer über den Kakaoanbau und die Herstellung hochwertiger Schokolade wissen? Was interessiert dich an Ecuador als Top-Kakaoproduzent besonders? Hinterlass einfach einen Kommentar hier am Blog oder schreib deine Frage an sarah@sattgetextet.com. Ich werde versuchen, sie an den geeigneten Ansprechpartner zu richten und in einem Blogbeitrag zu beantworten.

Du kannst mich außerdem auf Twitter @FrauSatt und Instagram @sarahsattblog auf meiner Reise zum edlen Kakao von Ecuador begleiten – vorausgesetzt, der Gott des Internets ist mir gewogen.

Eine Pralinenschachtel, wie das Leben sein sollte.

18 Okt

Bild: © Sarah Krobath

Forrest Gump vergleicht das Leben mit einer Schachtel Pralinen. Weil man, ihm zufolge, nie weiß, was man bekommt. Naja, ginge es nach den Bonbonieren, die unsereins in Kindertagen von der Anni Tant, der Mitzi Tant oder sonst einer wangenkneifenden Großtante zugesteckt bekommen hat, wäre das Leben zwar picksüß aber sonst eher fad. Statt dem Biss in die wahrscheinlich kleinsten Kalorienbomben der Welt war der Moment der größten Ungewissheit bei diesen Geschenken immer der Blick aufs Ablaufdatum. Nougat. Marzipan. Amaretto. Was soll sonst schon großartig drinnen sein in so einem standardisierten Schokoladewürfel? Eventuell noch Krokant oder Kaffee. Sobald man erst einmal durchschaut hat, dass die dunkelsten Stücke meist die mit Marzipan sind, jene mit Mokkabohnenhütchen den Bauch voll Kaffeecreme haben und die im Goldpapierl mit Nougat gefüllt sind, hält sich die Überraschung bei industriell gefertigten Pralinen in Grenzen. Weiterlesen

Essen macht schön.

2 Sep

Bild: Cup of Fame © donkey-products.com

„Man kann nicht den ganzen Tag essen, aber sich eincremen“, scheint sich die Kosmetik-Industrie zu denken. Das würde erklären, weshalb Schokolade und Obstsorten von A wie Aprikose bis Z wie Zitrone neben den Supermarktregalen vermehrt jene der Drogeriemärkte bevölkern. Körperbutter mit Himbeer-Duft, Shampoo, das die Haare riechen lässt, als hätte man eine Kokosnuss direkt mit seinem Kopf geknackt und Lippenpflege, die nach Cola schmeckt – von der Fülle an nach Süßigkeiten benannten Nagellacken ganz zu schweigen. Schön, Kleopatra hat angeblich in Milch gebadet und auch auf den Pyjamapartys von mir und meinen Freundinnen durfte früher die obligatorische Gurkenmaske inklusive dekorativer Scheiben für die Augen nicht fehlen. Der Milchmädchenrechnung „Was gesund ist, kann für Haut und Haare nicht schlecht sein“ kann ich gerade noch folgen. Aber Mango-Sorbet fürs Dekolleté? Kakao für die Hüften? Und Kaugummi für die Lippen? Während früher höchstens der Clown in einem schlechten Zirkus-Sketch eine Torte ins Gesicht bekam, ist frau heutzutage von Kopf bis Fuß auf Dessert eingestellt. Die Spülung mit weihnachtlicher Zimt-Nelken-Duftnote können sich die Pflegehersteller getrost in die Haare schmieren. Nur weil ich Lebkuchen nicht widerstehen kann, muss ich noch lange nicht wie einer riechen. Wenn ich Lust auf Zuckerwatte habe, fahr ich in den Wiener Prater und kauf mir einen Holzstab mit gesponnenem Zucker, keinen Pflegestift mit nachempfundenem Aroma. Die Gewichtsaufpasser unter uns sehen das womöglich anders. Vielleicht gibt es sogar bereits Verfechter der neuen Trend-Diät, bei der diesmal wirklich alles erlaubt ist, solange es in einem Seifenspender, einer Spraydose oder als Lippenstift daherkommt. Stangensellerie und Magertopfen im Kühlschrank; Mousse au Chocolat, Vanillepudding und Bananasplit im Badezimmer. Statt sich seinem Heißhunger auf Süßes hinzugeben, macht man ihm einfach mit ein paar Sprühstößen Vanille-Mandarinen-Deo Luft. Wie wär’s mit einer Anti-Cellulite-Creme mit einem Hauch von Crème Brûlée? Oder einem straffenden Peeling à la Stracciatella? Die Kennzeichnung „für fettendes Haar“ bekäme durch ein Shampoo mit Donut-Aroma auch eine ganz neue Bedeutung. Ich für meinen Teil hab den Obstsalat und diverse Nachspeisen ja lieber im Bauch als auf dem Körper, es könnte aber gut sein, dass sich wieder einmal die ein oder andere Gurke in mein Gesicht verirrt. Mit dem Essen spielt man nicht, heißt es – von schmieren und sprühen hat keiner was gesagt.

Sommerhit oder One-Lick-Wonder?

23 Jul

Bild: © Sarah Krobath

Schokolade, Vanille und Erdbeere, jahrelang haben wir diese All-time Classics rauf- und runtergeschleckt, mit ihnen im Freibad eine ruhige Kugel geschoben und unseren Eisgusto auf die Farbkombination Braun, Gelb und Rosa konditioniert. Und heute? „Habbe wir grade nicht“, sagt der gestresste Gigolo im Eissalon, der aussieht als könnte er selbst eine Abkühlung in der Eisvitrine vertragen, und verweist auf Schokoladeersatz wie Nougat, Kakao oder Nutella. Wie es scheint hat die klassischen Sorten dasselbe Schicksal ereilt wie einst Paiper und Tschisi. Damals waren sie Sommerhits, heute sind sie retro. Nicht nur auf ORF1, Pro7 und RTL, auch in modernen Eisdielen und ihren Testküchen wird gecastet was das Zeug hält. Neben mittlerweile fast schon alteingesessenen Sorten wie Tiramisu, Sahne-Kirsch, Cookies oder Kiwi wetteifern heute auch Mohn, Ingwer und Eierlikör um den Titel Austria’s next Tütenmodel. Waren die Becher, die die Welt bedeuten vormals fast ausschließlich süßen Früchtchen vorbehalten, versuchen sich heute Ausnahmetalente aus dem Gemüseregal und der Käseglocke als Teilnehmer bei der Stanizelmania. Schokoriegel und Fruchtzwerge, die eine Zweitkarriere als Popsiclestars anstreben, sind Schnee von gestern.

Bild: © Sarah Krobath

In Wiens aktuell wohl beliebtestem Eissalon, pardon, Eisgreissler werden stattdessen Butterkekse und Ziegenkäse auf die Geschmacksnerven der Kunden losgelassen – mit Erfolg, die Standing Ovations reichen zum Teil zurück bis zur Gelateria Zanoni & Zanoni. Etwas spezieller dürfte da schon die Fangemeinde vom Lepantos sein, das sich ebenfalls im ersten Wiener Bezirk angesiedelt hat. Dort kommt in die Tüte, was manch einer nicht einmal seiner Salatschüssel zumutet: Rote Rübe. Fernab vom Mainstream werden Zutaten wie Gurke und Wasabi oder Meersalz und Karamel zusammengecastet und als extracoole Newcomer vermarktet. Noch etwas extremer treiben es – nomen est omen – die Londoner Icecreamists. Unter dem Motto „God save the cream“ begehen sie ein Verbrechen am guten Geschmack nach dem anderen und schrecken auch nicht vor – zumindest wohlschmeckenden – Geschmacklosigkeiten wie Baby Gaga, einem Eis aus Muttermilch von lokalen Spenderinnen, oder einem Popsicle aus Weihwasser und achtzigprozentigem Absinth in der Form einer Pistole zurück. Der sogenannte Vice Lolly wird in einem eigenen Waffenschrank aufbewahrt und von seinem Erfinder, dem Icecreamists Gründer Matt O’Connor, auch als „Holy Water Pistol with a license to chill“ bezeichnet.

Bild: © Sarah Krobath

Auf die Gefahr hin, in der nicht existenten „Sarah sucht das Supereis“-Jury jetzt die Rolle des Dieter Bohlen einzunehmen: Ich finde, es gibt Zutaten, die haben einfach nicht das Zeug zum Eis. Hochprozentiges gehört in ein Shotglas – keine Shotgun, Gemüse in den Salat oder Eintopf und wer nicht weiß, wo Muttermilch hingehört, der hat sowieso einen an der Waffel. Das Publikum scheint jedenfalls auf meiner Seite zu sein. Laut WKÖ-Umfrage stellen die guten alten Sorten die neue Generation an Möchtegerns auch dieses Jahr eiskalt in den Schatten: Die Chartstürmer heißen erneut Schokolade und Vanille. Mag ja sein, dass Haselnuss inzwischen mehr Fans als Erdbeere hat, ich auf jeden Fall tippe auf ein rosa Revival. Wir dürfen gespannt sein, ob die ausgefallenen Sommerhits von 2012 auch nächstes Jahr noch in aller Munde sein werden oder ob sie sich letztendlich doch als One-Lick-Wonder entpuppen.

REZEPT ZUM REVIVAL: SELBSTGEMACHTES ERDBEEREIS

Zutaten:

1 kleine Tasse Erdbeeren

1 TL Vanillezucker (besser als Vanillinzucker)

3 EL Sauerrahm (Alternative: Joghurt)

Zubereitung:

Die Erdbeeren waschen, trocken tupfen, in kleine Stücke schneiden und über Nacht in einem Gefrierbeutel einfrieren. Die gefrorenen Erdbeerstücke kurz antauen lassen und zusammen mit dem Zucker und dem Sauerrahm in die Küchenmaschine geben. Kurz einschalten – nicht zu lange, sonst wird daraus Erdbeersoße – und fertig ist der Eisklassiker.

Von schwarzen Perlen bis zu einem besseren Bounty.

10 Nov

© Jürgen Schmücking

Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen, man weiß nie was man bekommt? Ganz anders beim FiBL-Tastingforum – wenn Reinhard Geßl zu einer Pralinenverkostung lädt, weiß man nämlich ganz genau was man kriegt: Sicher keine schnöde Milchschokolade oder picksüße Schokoriegel, sondern nur feinstes Bio-Konfekt. Von einem sehr guten Bounty, über eine extreme Chili-Explosion bis hin zum alten Schoko-Osterhasen war den Assoziationen der dreißig Anwesenden zufolge alles dabei. Den Anfang machte eine Criollo-Bohne, quasi die First Lady der Kakaosorten. Daraufhin konnte man sich nicht nur die großteils veganen Schokoladekreationen, sondern auch deren Namen auf der Zunge zergehen lassen. Da wären zum Beispiel die dänische Haselnuss-Schokoladencreme „Rembrandt’s“ in der Silbertube aus dem Hause Summerbird oder das Konfekt „Booja Booja“ aus England, welches sogleich den Titel „Bunga Bunga unter den Pralinen“ erhielt. Aber auch Österreich machte im internationalen Schokovergleich – dem kakaohaltigen Ideenschatz von Josef Zotter sei Dank – eine gute Figur. Um die ihre mussten sich die versammelten Verkoster auch keine Sorgen machen, schließlich stand bei der Verkostung der Genuss und nicht der Überfluss im Vordergrund.

© Jürgen Schmücking

Nach einer kurzen, appetitanregenden Einführung in die Welt des beliebten Genuss- und Suchtmittels und der enttäuschenden Erkenntnis, dass man Schokolade nicht einfach zuhause herstellen kann, wurde in den Räumlichkeiten der BOKU hochkonzentriert geschnuppert und geknabbert. Hochprozentig war hingegen die Begleitung aus Bio-Süßweinen und Likören, die Jürgen Schmücking vom Bio-Genussmarketing eigens für die Verkostung ausgewählt hatte. Davon ließen sich die Geschmacksnerven der Anwesenden aber nicht weiter beirren und schmeckten einen Großteil der Zutaten, vor allem die fruchtigen, treffsicher heraus. Lediglich Schilchercreme und Maronenfülle ließen ihre Genießer im Dunkeln tappen. Dafür wurden Propolis und Kurkuma erschmeckt, obwohl in den Pralinen davon keine Spur war. Liegt vielleicht daran, dass wir nach Kombinationen wie Schweinsgrammeln mit Nougat und Forelle mit Kokos automatisch mit etwas Ausgefallenem rechnen. Dabei braucht es für richtig gute Schokolade nicht mehr als richtig guten Kakao und am besten mindestens 70 Prozent davon.

Heiße Schokolade zieht man nicht durch den Kakao!

12 Aug

Bild: Flickr, Nikole Herriott © all rights reserved

Ein Kuchen ist keine Torte, Palatschinken sind keine Crêpes und aus einem Schokopudding wird so schnell auch kein Mousse au Chocolat. Keine andere süße Köstlichkeit wird von den Gastronomen jedoch so oft missverstanden wie die Heiße Schokolade. Dabei hat die trinkbare Opulenz mit dem schnöden Kakao, der in Jugendherbergen zum Frühstück aufgetischt wird, genauso viel gemein wie besagte Unterkunft mit einem Vier-Sterne-Hotel. Für einen 08/15-Kakao tut es schon mal das gezuckerte braune Instantpulver aus dem Supermarkt, von mir aus auch ein Chococino aus dem Automaten. Wenn ich aber in einem Altwiener Kaffeehaus eine Heiße Schokolade bestelle und daraufhin eine lauwarme, wässrige Plörre in Hellbeige serviert bekomme, werde ich sauer. So sauer wie die Schlagsahne, die wahrscheinlich schon seit gestern in der Sprühdose vor sich hinreift und dem Schokoladenfiasko die Krone aufsetzt. Hollywood und der Werbeindustrie sei Dank weiß ich nämlich, im Gegensatz zu vielen Kellnern, ganz genau wie eine echte Heiße Schokolade auszusehen hat: Von der schicken Tasse über die kleinen verheißungsvoll aufsteigenden Dampfwölkchen bis hin zur Sahnehaube mit Schokosplittern, die luftig locker über dem dunkelbraunen See thront. Zwar würde ich auch Marshmallows, Pfefferminz- und Zimtstangen keinesfalls vom Tassenrand stoßen, aber in erster Linie geht es doch um die Schokolade. Die ist bekanntlich tiefbraun, je nach Kakao-Konzentration sogar fast schwarz. Die Heiße Schokolade einiger Cafes hingegen ist so blass, dass man sie am liebsten fragen möchte, was ihr denn Schlimmes widerfahren ist. Zum Glück gibt es aber ein paar Genuss-Stätten, in denen die Heiße Schokolade nicht bloß serviert, sondern auch angemessen zelebriert wird. Ob nach einem gut gehüteten Traditionsrezept zubereitet, in der italienischen Schokoladenpudding-Variante, mit dem dazugehörigen Trinkschokoladen-Quirler oder als zart schmelzende Versuchung am Stiel – die Heißen Schokoladen dieser Wiener Cafes und Shops lassen garantiert keinen kalt:

Demel: Hauseigene Schokolade mit Vanille, Kardamom, Ingwer oder Chili

Süssi: So hätte Sissi ihre Heiße Schokolade getrunken

Mokka Club: Cremige Schokolade-Variationen von herb bis süß

Cafe Schwarzenberg: Mit Vanille und Zimt, Orangenlikör oder Amaretto

Cafe Nautilus: Ein Besuch reicht nicht zum Durchkosten aller Spezialitäten

Confiserie zum süßen Eck: Schoko-Spielereien von Choc-o-lait bis Zotter

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