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Ölwechsel: die neuen Cuvées aus der Ölflasche.

20 Jun
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Der Verkaufsraum der Ölmühle © Sarah Krobath

Könnte sogar ein ernstzunehmender Ersatz für Kürbiskernöl sein, hat Leo Kiem beim Verkosten der Fandler Cuvée aus Bio-Mandelöl und Bio-Mohnöl in der aktuellen Versuchung, dem Magazin der Ölmühle, behauptet. Eine Aussage, die bei mir als Kernölpatriotin aus dem Grünen Herz Österreichs freilich nicht runtergegangen ist wie Öl. Davon, ob demnächst womöglich Endiviensalat mit warmen Erdäpfeln, Käferbohnen und Eierspeis in Cuvée Eins-Montur auf den Tisch kommen und die grünen Kernölflecken am Lieblingsshirt von gelben Mandel- und Mohnölpatzern abgelöst werden, wollte ich mir selbst ein Bild machen. Also hab ich der Fandler Ölmühle in meiner ehemaligen Heimat Pöllau einen Besuch abgestattet. Neugierig und motiviert, mich durch alle 10 Cuvées und das restliche ansehnliche Ölangebot zu kosten, bin ich gleich einmal übers Ziel hinaus und an der Ölmühle vorbeigeschossen. Die gibt es zwar seit 1926, das neue Gebäude mit Shop, Schaupresse, Küche, Büros und dazugehöriger Kantine aber erst seit 2012.

Die Ölmühle in Pöllau © Sarah Krobath

Die Ölmühle in Pöllau © Sarah Krobath

Ein Tropfen Vollkommenheit, steht auf der Glasscheibe der Schaupresse, hinter der Pressmeister, die zum Teil seit 25 Jahren bei der Firma sind, an der Stempelpresse ihrer Arbeit nachgehen. Leinöl steht fast immer auf ihrem Aufgabenplan – das ist gekühlt nur drei Monate haltbar und muss daher laufend frisch gepresst werden. Während kleine Ölfrüchte wie Leinsamen gequetscht werden, zerkleinert eine Steinmühle große Früchte wie Nüsse und Kerne, bevor sie vorsichtig erwärmt und gepresst werden. Ein althergebrachtes und einfaches Verfahren, bei dem der Presskuchen vom Öl getrennt wird. Nach dem Pressvorgang darf das Öl erst mal „zur Ruhe kommen“ – wie nett, so eine Pause nach dem ganzen Druck! Das hat aber nichts mit Esoterik zu tun, sondern dient dazu, dass sich die Fruchtteilchen absetzen und dem Öl somit eine Filterung erspart bleibt. Eichhörnchen werden bei Fandler übrigens nicht zu Öl verarbeitet, auch wenn das niedliche Etikett des Bio-Haselnussöls manch asiatischem Touristen etwas anderes zu verheißen scheint, wie die Anekdote zeigt, die mir Barbara Klein vom Marketing der Ölmühle schmunzelnd erzählt.

Schaupresse & Verkostungsstation © Sarah Krobath

Schaupresse & Verkostungsstation © Sarah Krobath

Mit dem Presskuchen, der früher und auch heute noch plattenweise als nahrhaftes Tierfutter weiterverkauft wird, hat sich die Ölmühle was Besonderes und besonders Köstliches einfallen lassen: die sogenannten Charakter-Salze. Dafür werden die entölten und gemahlenen Haselnüsse, Kürbis- und Hanfkerne mit Bergkernsalz aus den steirischen Alpen gemischt. Die Anwendungsmöglichkeiten in der Küche sind vielfältig und mir war sofort klar, das Kürbiskernsalz muss in die Marinade meiner Grünkohlchips, das etwas grobere Hanfkernsalz kommt das nächste Mal mit Erdäpfeln und Butterflocken oder einem Frühstücksei auf den Teller und das feine Haselnusssalz darf im nächsten Salz-Karamell die Hauptrolle spielen.

Salze mit Charakter (ohne Eichhörnchen) © Sarah Krobath

Salze mit Charakter (ohne Eichhörnchen) © Sarah Krobath

Neben den Salzen, dem kompletten Fandler Ölsortiment, das sich zu ca. 70% aus Bio und zu 30% aus konventionellen Ölen zusammensetzt, und Knabberkernen, treffe ich im Verkaufsraum und alte Bekannte aus dem Hause Pölzer und Gölles, deren Produkte Fandler ebenfalls vertreibt. Dazwischen erspähe ich Flaschen mit weißen Etiketten und der Aufschrift „Caritas & Du“. Sie gehören zur Spendenaktion, die Fandler zusammen mit der karikativen Organisation im Frühling gestartet hat – pro verkaufter Flasche Kürbis-, Walnuss- oder Camelina-Öl geht ein Euro an die steirische Familienhilfe.

IMG_6382Nun aber zu dem, wozu ich überhaupt da bin: dem Verkosten der Cuvées. Die Bezifferung eignet sich nicht nur als Geschenkidee zu diversen Jubiläen, sondern gibt vor allem über Geschmacksintensität und Charakter der Öle Auskunft. Es empfiehlt sich also mit der milden 0 anzufangen und sich zur ausdrucksstarken 9 vorzukosten.

Da gibt sich Fandler solche Mühe, aus guten Rohstoffen in Kaltpressung charakteristische Öle zu gewinnen, und dann verschneidet man die? Das Vorurteil, dass sortenreine Produkte kombinierten überlegen sein müssen, kennen wir ja bereits aus der Wein- und Schokoladewelt. Klar kommt man auch mit den 15 reinsortigen Bio-Ölen ganz gut und abwechslungsreich über die Runden. Andererseits sind die Cuvées eine gute Gelegenheit Konsumenten auf die Ölspur zu bringen, denen das pure Macadamiaöl zu buttrig-mollig, das reine Traubenkernöl zu säuerlich oder das lettige (Achtung! Steirischer Ausdruck) Camelinaöl (=Leindotteröl) zu intensiv und kohlgemüsig daherkommt. Für die meisten Cuvées werden zwei, bei einigen drei Bio-Öle gemischt, die sich gegenseitig ergänzen, abrunden und spannende Geruchs- und Geschmackskompositionen ergeben. Ernstzunehmenden Ersatz für Steirisches Kernöl (auch das gibt’s von Fandler) hab ich unter den 10 Cuvées letztendlich keinen gefunden , dafür viele neue Sinneseindrücke und Inspiration für den Umgang mit Öl gewonnen: Das Mandel-Sesam-Pärchen (0) hat mich zum Beispiel an die karamelligen Aschanti erinnert, die ich vor Jahren zum letzten Mal im Kino geknabbert hab, die Kombination aus Mandel und Mohn (1) hat mich auf die Schihütte vor einen Germknödel mit Butter und Mohn teleportiert und beim Duo aus Kürbiskern und Hanf (5) hatte ich flüssige Noriblätter im Kopf. Meine Favoriten aus der vielfältigen Reihe sind übrigens folgende:

147 – gute Öle gut kombiniert © Sarah Krobath

Cuveé 1–Bio-Mandelöl und Bio-Mohnöl: wegen der feinen Süße und nicht zuletzt wegen der wunderbaren Germknödel-Assoziation. Die Cuvée landet bei mir eher auf Desserts als im Salat.

Cuvée 4 – Bio-Kürbiskernöl und Bio-Sesamöl: erinnert mich an die Sesam-Olivenöl-Kringel auf Kreta und edelsüßes Paprikapulver. Die möchte ich unbedingt zu Kärntner Kasnudeln ausprobieren.

Cuvée 7 – Bio-Camelinaöl und Bio-Erdnussöl: macht mit dem erbsigen, leicht scharfen Aroma Lust auf Gemüseküche, etwa auf Karfiol mit Bröseln oder Brokkolipüree.

Die To-Eat-Liste ist gegessen.

14 Nov

Bild: © worldmarket.com

Sushi, Fried Chicken, Thai Food, Finnischen Honig, Asian Cuisine und noch eine ganze Reihe anderer Köstlichkeiten stand bei meinen zukünftigen Studienkollegen auf der To-Do-, pardon, To-Eat-Liste vor ihrem Umzug nach Bra. Henkersmahlzeit, oder wie? Dabei ist es nicht gerade so, als ob wir das kommende Jahr im kulinarischen Exil verbrächten. Weinberge, Trüffelwälder, ganze Kleinstädte aus Gewächshäusern – ein Spaziergang durch die idyllische Umgebung im Piemont macht Appetit. Schon beim morgendlichen Joggen feuern einen die überall aus der Erde lugenden leuchtend grünen Salat- und bordeauxfärbigen Radicchioköpfe an und erinnern einen an das eigentliche Ziel der sportlichen Ertüchtigung: das Frühstück. Weiterlesen

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