Schlagwort-Archiv: Pasta

A tavola con il mondo.

5 Dez
Bild: © Sarah Krobath

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Südkorea schwenkt andächtig das satte Rot in seinem Weinglas, Kanada plaudert mit Singapur, die Schweiz lässt Österreich von ihrer Vorspeise naschen und Japan gratuliert Puerto Rico nachträglich zum Geburtstag während Finnland großzügig frischen Parmesan über Teller voller Pasta hobelt. Das erste gemeinsame Essen mit meinen Uni-Kollegen, bei dem ich vor knapp zwei Wochen jeden Bissen und Schluck genossen habe, war zweifelsohne einzigartig – das einzige sollte es allerdings nicht bleiben. Bei 27 Mitstudenten aus 17 verschiedenen Ländern macht das Esskultur- und Kommunikations-Studium zwischen zwei Vorlesungen keine Mittagspause. Statt Wurstbroten und Nutellasemmeln wechseln Ratatouille und Kimchi die wissenshungrigen Besitzer, wird am Schulweg über Reiskocher und Pastamaschinen diskutiert und nach Feierabend Nachhilfe in exotischen Lebensmitteln und deren eigentümlichen Bezeichnungen gegeben.

Bild: © Sarah Krobath

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Als wir Carlo Petrini in der Einführungs-Vorlesung die Frage nach seiner Leibspeise stellen, antwortet der interview-geübte Gründer von Slow Food diplomatisch: „Neugier“. Gut, vielleicht keine richtige Antwort – womöglich aber auch die falsche Frage. Warum sein Lieblingsessen an eine einzelne Zutat ketten, es an eine bestimmte Art der Zubereitung fesseln oder an die Erinnerung an etwas dazumal Verspeistes? Wozu sich überhaupt auf ein Lieblingsessen festlegen, wenn man in jedem Land, jeder Region, jedem Terroir ein anderes haben kann. Frei nach Brillat-Savarin: „Sag mir, was du isst, und ich sage dir, wo du bist“. Traditionelle Speisen sprechen nicht nur Bände über die Geschichte eines Landes, sondern auch über seine Kultur und vor allem die Menschen, die darin leben. Es muss sich also keiner genieren, wenn er auf Reisen Restaurants und Manufakturen wie Sehenswürdigkeiten abklappert, die mitgebrachten Souvenirs ihren eigentlichen Nutzen verfehlen, weil sie statt im Regal im eigenen Magen landen und man sich in der fremden Sprache zwar nicht nach dem Weg, dafür aber nach der traditionellen Zubereitung der soeben erstandenen Spezialität erkundigen kann. Der italienische Journalist und Autor Italo Calvino geht sogar soweit zu behaupten, dass heutzutage, wo man alles, was es zu sehen gibt, von seinem Sessel aus im Fernsehen betrachten kann, die einzig bedeutsame Art zu Reisen ist, das besuchte Land inklusive seiner Fauna, Flora und Kultur zu verdauen.

Bild: © Sarah Krobath

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In den letzten Tagen habe ich neben Apulien samt seinen Schätzen Burrata und Orecchiette, den Piemont mit Salsiccia und Dolcetto, Finnland anhand von gebackenem Leipäjuusto-Käse und Korelian-Pie sowie Schottland, repräsentiert von selbstgebrautem Bier, verdaut – von der Truthahn-Schar im amerikanischen Stil zu Thanksgiving und der unter der professionellen Anleitung meiner Kollegen hausgemachten Pasta zehre ich noch heute. Wenn das so weiter geht, können wir in einem Jahr, nach sämtlichen Studienreisen getrost behaupten, wir hätten die Weisheit mit dem Löffel gegessen.

Bild: © Sarah Krobath

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Einen Korb zu bekommen war noch nie besser.

19 Dez

Bild: Eric Magnuson © Flickr

Einen für die Uromi, einen für den Onkel, einen für die Frau Lehrerin und einen für den Herrn Bürgermeister, Geschenkkörbe sind ein praktisches Geschenk für Menschen, von denen man nicht viel weiß – außer dass sie ab und zu etwas essen. Also stapeln sich die zum Bersten mit Köstlichkeiten gefüllten Flechtwerke auf den Gabentischen sämtlicher Festivitäten und bringen zunächst das großzügig beim Einpacken verwendete Zellophan und in Folge die Beschenkten beinahe zum Platzen. Von dem vielen Plastik und den kitschigen Gold-Ziffern jenseits der Siebzig einmal abgesehen, ist so ein essbares Präsent aber gar nicht so übel. Vorausgesetzt man verzichtet beim Füllen auf leicht verderbliche Lebensmittel, die in der warmen Gaststube wie ein Stimmungsring die Farbe wechseln, während der Feier ein Eigenleben entwickeln und am Ende von selbst in den Kofferraum hüpfen. Auch wenn sein schillernder Aufputz etwas anderes vermuten lässt, beim Geschenkskorb kommt es auf die inneren Werte an. Wer „Ich packe in meinen Korb“ mit einer Stange grober Extrawurst, Kaffeeweißer und einer Tafel Kochschokolade spielt, wird höchstwahrscheinlich nicht nur einen überreichen, sondern sich damit auch einen Korb holen. Packt man statt einer 3+1 gratis Packung Honig und einem eingeschweißten Gauda aber kleine Schätze wie hausgemachte Marmelade, etwas Bergkäse aus dem Feinkostladen und ein paar ausgesuchte Gewürze vom Markt hinein, wird aus dem verstaubten Geschenkkorb eine kleine Schatzkiste an Delikatessen. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste, Vielfalt die des Geschenkskorbes. Bei möglichst verschiedenen Gaumenfreuden ist die Wahrscheinlichkeit, den Geschmack des Beschenkten zu treffen nämlich wesentlich größer. Außerdem läuft man so nicht Gefahr, mit einer Wurst- und Speck-Selektion bei seinem vegetarischen Vorgesetzten ins Fettnäpfchen zu treten oder die diabetische Cousine zweiten Grades mit einem Potpourri aus Honigspezialitäten geradewegs ins Krankenhaus zu befördern. Wer will, kann fix fertige Geschenkkörbe im Supermarkt, beim Buschenschank oder Feinkosthändler bestellen – besser als selbstgekauft ist aber selbstgemacht. Dazu muss man auch keinen Korbflechtkurs belegen, nicht etwa eine Ausbildung zum Käser machen oder seine Abstellkammer in einen Räucherkeller umbauen. Ein Glas selbst eingekochtes Chutney, getrocknete Pasta aus eigenhändig geknetetem Teig oder eine hübsche Flasche Olivenöl mit eingelegten Lieblingskräutern lassen sich auch mit zwei linken Händen in der kleinsten WG-Küche zaubern. Und wenn man schon dabei ist, kann man gleich etwas mehr zubereiten und sich damit selbst beschenken. Immerhin heißt es doch: Wer Körbe austeilt, muss auch welche einstecken können.

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