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Eine Pralinenschachtel, wie das Leben sein sollte.

18 Okt

Bild: © Sarah Krobath

Forrest Gump vergleicht das Leben mit einer Schachtel Pralinen. Weil man, ihm zufolge, nie weiß, was man bekommt. Naja, ginge es nach den Bonbonieren, die unsereins in Kindertagen von der Anni Tant, der Mitzi Tant oder sonst einer wangenkneifenden Großtante zugesteckt bekommen hat, wäre das Leben zwar picksüß aber sonst eher fad. Statt dem Biss in die wahrscheinlich kleinsten Kalorienbomben der Welt war der Moment der größten Ungewissheit bei diesen Geschenken immer der Blick aufs Ablaufdatum. Nougat. Marzipan. Amaretto. Was soll sonst schon großartig drinnen sein in so einem standardisierten Schokoladewürfel? Eventuell noch Krokant oder Kaffee. Sobald man erst einmal durchschaut hat, dass die dunkelsten Stücke meist die mit Marzipan sind, jene mit Mokkabohnenhütchen den Bauch voll Kaffeecreme haben und die im Goldpapierl mit Nougat gefüllt sind, hält sich die Überraschung bei industriell gefertigten Pralinen in Grenzen.

Bild: © Sarah Krobath

Das handgefertigte Konfekt mit weißem Papierkrägelchen am Tisch sieht zum Anbeißen aus. Eine Praline hat sich als Cupcake verkleidet, eine andere spielt mit funkelnden kleinen Kristallen Prinzessin. Keine Mokkabohne, kein Goldpapierl, sondern die neue Kollektion von Sandras süße Konfektion. Die ist allerdings erst als krönender Abschluss des Abends gedacht, an dem sich sieben Testesser in der Kochwerkstatt der NU Chefs eingefunden haben. „Erst die Pflicht, dann das Vergnügen“ soll mir in diesem Fall ganz recht sein, besteht die Pflicht doch darin, neue Kreationen, die sich noch in der Testphase befinden, zu bewerten. „Mein Ansatz ist es, mit dem zu arbeiten, was es jetzt gerade gibt“, leitet Sandra, die eigentlich Alexandra Kopp heißt, auf die ersten Versuchspralinchen über: Weiße Schokolade gefüllt mit weißem Ribiselgelee und Kuvertüre mit unterschiedlichem Kakaogehalt mit einer Fülle aus Schwarzen Ribiseln und Balsamico. Der dunklen 49-prozentigen Schokolade gelingt es, dem fruchtigen Ribiselgelee einen völlig anderen Geschmack zu entlocken, als der 38-prozentigen Milchschokolade. Die mit 65 Prozent, klärt uns Sandra auf, ist besonders anspruchsvoll und will sich ihre Zutaten wirklich aussuchen. Seit mehr als zwei Jahrzehnten tüftelt die Bildungswissenschaftlerin an immer neuen unvermuteten Kombinationen, die sie unter anderem für Anlässe und Personen maßfertigt. Biozertifiziert sind ihre Pralinen ob des großen bürokratischen Aufwandes und den damit verbundenen Kosten nicht, dass dafür nur die besten Zutaten verwendet werden, ist für Sandra aber selbstverständlich. Bei den Kuvertüren handelt es sich um Schweizer Schokolade von Max Fechlin und dem französischen Produzenten Valrhona, die beide fair gehandelten Criollo-Kakao aus eigenen Plantagen in Mittel- und Südamerika verarbeiten. Das herrliche Marzipan, das wir pur verkosten dürfen, kommt aus der Provence und bringt uns mit einem Mandelanteil von 70 Prozent ins Schwärmen. Fast so sehr wie das Gianduia Nougat, dass anschließend die Runde macht.

Bild: © Sarah Krobath

Was sich wohl unter der glänzenden dunkelbraunen Hülle aus dunkler Kuvertüre verbirgt, die mich von einem Porzellanteller aus anlacht? „Powidltascherl!“ entfährt es einigen nach dem ersten Bissen entzückt, „wie Weihnachten“, beschreiben andere den Geschmack der Zwetschken-Marzipan-Ganache mit Gewürzen. Nach den fruchtigen Varianten steht als nächstes ein Experiment für eingefleischte Schokoexoten – oder geborene Texaner – auf unserem Bewertungsbogen: Pralinen gefüllt mit karamellisierten Nüssen und getrocknetem Porc Noire de Bigorre Speck. Zunächst schmecke ich nur Milchschokolade, dann setzt sich plötzlich eine rauchige Note durch – eindeutig Speck, ganz unverfälscht. Meine Geschmacksnerven sind sich einig, Cashewkerne harmonieren mit dem salzigen Speck am besten. Das ist Sandra bei ihren Kreationen besonders wichtig. Die Aromen sollen nicht nebeneinander stehen, sondern sich zu einem Geschmackserlebnis verbinden. Nur die Pralinen, bei denen das am besten gelingt, bekommen einen Platz in ihrer neuen Kollektion. Bei Sorten wie „Orange und Olivenöl“, „Bergamotte und Tasmanischer Pfeffer“, „Kürbis und Ingwer“ und dem Steirischen Dream-Team „Käferbohne und Kürbiskernöl“ muss ich sagen: Wenn mein Leben schon wie eine Pralinenschachtel sein muss, dann bitte wie eine von Sandras süßer Konfektion.

Bild: © Sarah Krobath

Sandras Pralinen könnt ihr bei SchokovSimon und Jakober und Kaas am Markt kaufen, im Online-Shop bestellen oder bei einem Pralinenworkshop selbst anfertigen.

Tipp: Handgemachte Pralinen mit Obers halten sich maximal 2 Wochen, Pralinen ohne Obers sechs bis acht Wochen. Am besten bei rund 17 Grad aufbewahren, nicht in den Kühlschrank stellen. Bei zu niedrigen Temperaturen löst sich der Zucker aus der Kuvertüre und kristallisiert, bei Hitze tritt Kakaofett aus.

Essen macht schön.

2 Sep

Bild: Cup of Fame © donkey-products.com

„Man kann nicht den ganzen Tag essen, aber sich eincremen“, scheint sich die Kosmetik-Industrie zu denken. Das würde erklären, weshalb Schokolade und Obstsorten von A wie Aprikose bis Z wie Zitrone neben den Supermarktregalen vermehrt jene der Drogeriemärkte bevölkern. Körperbutter mit Himbeer-Duft, Shampoo, das die Haare riechen lässt, als hätte man eine Kokosnuss direkt mit seinem Kopf geknackt und Lippenpflege, die nach Cola schmeckt – von der Fülle an nach Süßigkeiten benannten Nagellacken ganz zu schweigen. Schön, Kleopatra hat angeblich in Milch gebadet und auch auf den Pyjamapartys von mir und meinen Freundinnen durfte früher die obligatorische Gurkenmaske inklusive dekorativer Scheiben für die Augen nicht fehlen. Der Milchmädchenrechnung „Was gesund ist, kann für Haut und Haare nicht schlecht sein“ kann ich gerade noch folgen. Aber Mango-Sorbet fürs Dekolleté? Kakao für die Hüften? Und Kaugummi für die Lippen? Während früher höchstens der Clown in einem schlechten Zirkus-Sketch eine Torte ins Gesicht bekam, ist frau heutzutage von Kopf bis Fuß auf Dessert eingestellt. Die Spülung mit weihnachtlicher Zimt-Nelken-Duftnote können sich die Pflegehersteller getrost in die Haare schmieren. Nur weil ich Lebkuchen nicht widerstehen kann, muss ich noch lange nicht wie einer riechen. Wenn ich Lust auf Zuckerwatte habe, fahr ich in den Wiener Prater und kauf mir einen Holzstab mit gesponnenem Zucker, keinen Pflegestift mit nachempfundenem Aroma. Die Gewichtsaufpasser unter uns sehen das womöglich anders. Vielleicht gibt es sogar bereits Verfechter der neuen Trend-Diät, bei der diesmal wirklich alles erlaubt ist, solange es in einem Seifenspender, einer Spraydose oder als Lippenstift daherkommt. Stangensellerie und Magertopfen im Kühlschrank; Mousse au Chocolat, Vanillepudding und Bananasplit im Badezimmer. Statt sich seinem Heißhunger auf Süßes hinzugeben, macht man ihm einfach mit ein paar Sprühstößen Vanille-Mandarinen-Deo Luft. Wie wär’s mit einer Anti-Cellulite-Creme mit einem Hauch von Crème Brûlée? Oder einem straffenden Peeling à la Stracciatella? Die Kennzeichnung „für fettendes Haar“ bekäme durch ein Shampoo mit Donut-Aroma auch eine ganz neue Bedeutung. Ich für meinen Teil hab den Obstsalat und diverse Nachspeisen ja lieber im Bauch als auf dem Körper, es könnte aber gut sein, dass sich wieder einmal die ein oder andere Gurke in mein Gesicht verirrt. Mit dem Essen spielt man nicht, heißt es – von schmieren und sprühen hat keiner was gesagt.

Sommerhit oder One-Lick-Wonder?

23 Jul

Bild: © Sarah Krobath

Schokolade, Vanille und Erdbeere, jahrelang haben wir diese All-time Classics rauf- und runtergeschleckt, mit ihnen im Freibad eine ruhige Kugel geschoben und unseren Eisgusto auf die Farbkombination Braun, Gelb und Rosa konditioniert. Und heute? „Habbe wir grade nicht“, sagt der gestresste Gigolo im Eissalon, der aussieht als könnte er selbst eine Abkühlung in der Eisvitrine vertragen, und verweist auf Schokoladeersatz wie Nougat, Kakao oder Nutella. Wie es scheint hat die klassischen Sorten dasselbe Schicksal ereilt wie einst Paiper und Tschisi. Damals waren sie Sommerhits, heute sind sie retro. Nicht nur auf ORF1, Pro7 und RTL, auch in modernen Eisdielen und ihren Testküchen wird gecastet was das Zeug hält. Neben mittlerweile fast schon alteingesessenen Sorten wie Tiramisu, Sahne-Kirsch, Cookies oder Kiwi wetteifern heute auch Mohn, Ingwer und Eierlikör um den Titel Austria’s next Tütenmodel. Waren die Becher, die die Welt bedeuten vormals fast ausschließlich süßen Früchtchen vorbehalten, versuchen sich heute Ausnahmetalente aus dem Gemüseregal und der Käseglocke als Teilnehmer bei der Stanizelmania. Schokoriegel und Fruchtzwerge, die eine Zweitkarriere als Popsiclestars anstreben, sind Schnee von gestern.

Bild: © Sarah Krobath

In Wiens aktuell wohl beliebtestem Eissalon, pardon, Eisgreissler werden stattdessen Butterkekse und Ziegenkäse auf die Geschmacksnerven der Kunden losgelassen – mit Erfolg, die Standing Ovations reichen zum Teil zurück bis zur Gelateria Zanoni & Zanoni. Etwas spezieller dürfte da schon die Fangemeinde vom Lepantos sein, das sich ebenfalls im ersten Wiener Bezirk angesiedelt hat. Dort kommt in die Tüte, was manch einer nicht einmal seiner Salatschüssel zumutet: Rote Rübe. Fernab vom Mainstream werden Zutaten wie Gurke und Wasabi oder Meersalz und Karamel zusammengecastet und als extracoole Newcomer vermarktet. Noch etwas extremer treiben es – nomen est omen – die Londoner Icecreamists. Unter dem Motto „God save the cream“ begehen sie ein Verbrechen am guten Geschmack nach dem anderen und schrecken auch nicht vor – zumindest wohlschmeckenden – Geschmacklosigkeiten wie Baby Gaga, einem Eis aus Muttermilch von lokalen Spenderinnen, oder einem Popsicle aus Weihwasser und achtzigprozentigem Absinth in der Form einer Pistole zurück. Der sogenannte Vice Lolly wird in einem eigenen Waffenschrank aufbewahrt und von seinem Erfinder, dem Icecreamists Gründer Matt O’Connor, auch als „Holy Water Pistol with a license to chill“ bezeichnet.

Bild: © Sarah Krobath

Auf die Gefahr hin, in der nicht existenten „Sarah sucht das Supereis“-Jury jetzt die Rolle des Dieter Bohlen einzunehmen: Ich finde, es gibt Zutaten, die haben einfach nicht das Zeug zum Eis. Hochprozentiges gehört in ein Shotglas – keine Shotgun, Gemüse in den Salat oder Eintopf und wer nicht weiß, wo Muttermilch hingehört, der hat sowieso einen an der Waffel. Das Publikum scheint jedenfalls auf meiner Seite zu sein. Laut WKÖ-Umfrage stellen die guten alten Sorten die neue Generation an Möchtegerns auch dieses Jahr eiskalt in den Schatten: Die Chartstürmer heißen erneut Schokolade und Vanille. Mag ja sein, dass Haselnuss inzwischen mehr Fans als Erdbeere hat, ich auf jeden Fall tippe auf ein rosa Revival. Wir dürfen gespannt sein, ob die ausgefallenen Sommerhits von 2012 auch nächstes Jahr noch in aller Munde sein werden oder ob sie sich letztendlich doch als One-Lick-Wonder entpuppen.

REZEPT ZUM REVIVAL: SELBSTGEMACHTES ERDBEEREIS

Zutaten:

1 kleine Tasse Erdbeeren

1 TL Vanillezucker (besser als Vanillinzucker)

3 EL Sauerrahm (Alternative: Joghurt)

Zubereitung:

Die Erdbeeren waschen, trocken tupfen, in kleine Stücke schneiden und über Nacht in einem Gefrierbeutel einfrieren. Die gefrorenen Erdbeerstücke kurz antauen lassen und zusammen mit dem Zucker und dem Sauerrahm in die Küchenmaschine geben. Kurz einschalten – nicht zu lange, sonst wird daraus Erdbeersoße – und fertig ist der Eisklassiker.

Nichts für schwache Geschmacksnerven.

17 Jan

Ein Markt ist ein Umschlagsplatz, wo Waren feilgeboten und von kaufkräftigen Kunden erworben werden. Zumindest war er das einmal. Zwar stehen die Standler und ihre Produkte genau wie früher in Reih und Glied am Markt und sehen zum Anbeißen aus – ja, manchmal auch die Standler – nur kommen die Kunden heutzutage mehr zum Kosten als zum Kaufen. Statt dem nötigen Kleingeld bringen sie lieber unnötig großen Hunger mit. Vor einem All-you-can-eat-Buffet isst schließlich auch keiner was. Mit so einem scheinen viele den Markt zu verwechseln, wenn sie mit furchteinflößend knurrendem Magen das Gelände stürmen und sich auf die hübsch arrangierten Kostproben stürzen. Von einem derartigen Andrang können die Pfarrer der katholischen Kirche bei der Kommunion nur träumen – vielleicht sollten sie es statt mit Oblaten einmal mit geweihten Salzmandeln, Browniekrümeln oder Käsewürfeln versuchen. Bei so einem Markt-Spaziergang lässt sich gut und gerne ein mehrgängiges Mittagessen zusammenschmarotzen. „Probieren geht über studieren“ lautet die Devise, also wird frei von der Leber weg gegrabscht, geschmatzt und einverleibt. Nur genossen wird nicht. Wie soll man sich auch auf den feinen Geschmack eines gereiften Bergkäses konzentrieren, wenn man zuvor eingelegte Gewürzgurken gefolgt von italienischer Lakritze verputzt und mit einer siebzigprozentigen Heißen Schokolade mit Minz-Note hinuntergespült hat?

Bild: Flickr © ohocheese

In Journalistenkreisen heißen die Nimmersatts, die Pressekonferenzen eher wegen der Aussicht auf ein besseres Buffet statt auf eine gute Story aufsuchen, „Earls of Sandwich“. Das Verhalten, das beim kollektiven Schnorren an den Tag gelegt wird, ist jedoch ganz und gar nicht die feine englische Art. Unter dem Motto „Wer es findet, dem gehört’s“ werden ganze Käselaibe, Schokoladetafeln und Kuchenstücke in Eigeninitiative zur Kostprobe erklärt. Ein höfliches „Bitte“ hört man zwischen dem lauten Geschmatze nur selten – von einem „Danke“ ganz zu schweigen. Der Großteil der Marktbesucher kommuniziert sowieso in Zeichensprache, zeigt auf etwas, hält die Hand auf oder legt ebendiese gleich selbst an. Wenn einmal ein Kunde den Mund aufmacht, ohne sich sogleich einen Leckerbissen hineinzuschieben, dann nur um darum zu feilschen wie am Flohmarkt – Second-Hand-Ware kommt allerdings nicht in die Tüte. Letztendlich wird aber auch am Markt nichts so heiß gegessen wie gekocht und aus so manchem Koster doch noch ein Käufer. Und wer jetzt glaubt, als Marktarbeiter hätte man nichts zu lachen, der war noch nicht am Stand mit den extrascharfen Chilisaucen.

 

 

Von schwarzen Perlen bis zu einem besseren Bounty.

10 Nov

© Jürgen Schmücking

Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen, man weiß nie was man bekommt? Ganz anders beim FiBL-Tastingforum – wenn Reinhard Geßl zu einer Pralinenverkostung lädt, weiß man nämlich ganz genau was man kriegt: Sicher keine schnöde Milchschokolade oder picksüße Schokoriegel, sondern nur feinstes Bio-Konfekt. Von einem sehr guten Bounty, über eine extreme Chili-Explosion bis hin zum alten Schoko-Osterhasen war den Assoziationen der dreißig Anwesenden zufolge alles dabei. Den Anfang machte eine Criollo-Bohne, quasi die First Lady der Kakaosorten. Daraufhin konnte man sich nicht nur die großteils veganen Schokoladekreationen, sondern auch deren Namen auf der Zunge zergehen lassen. Da wären zum Beispiel die dänische Haselnuss-Schokoladencreme „Rembrandt’s“ in der Silbertube aus dem Hause Summerbird oder das Konfekt „Booja Booja“ aus England, welches sogleich den Titel „Bunga Bunga unter den Pralinen“ erhielt. Aber auch Österreich machte im internationalen Schokovergleich – dem kakaohaltigen Ideenschatz von Josef Zotter sei Dank – eine gute Figur. Um die ihre mussten sich die versammelten Verkoster auch keine Sorgen machen, schließlich stand bei der Verkostung der Genuss und nicht der Überfluss im Vordergrund.

© Jürgen Schmücking

Nach einer kurzen, appetitanregenden Einführung in die Welt des beliebten Genuss- und Suchtmittels und der enttäuschenden Erkenntnis, dass man Schokolade nicht einfach zuhause herstellen kann, wurde in den Räumlichkeiten der BOKU hochkonzentriert geschnuppert und geknabbert. Hochprozentig war hingegen die Begleitung aus Bio-Süßweinen und Likören, die Jürgen Schmücking vom Bio-Genussmarketing eigens für die Verkostung ausgewählt hatte. Davon ließen sich die Geschmacksnerven der Anwesenden aber nicht weiter beirren und schmeckten einen Großteil der Zutaten, vor allem die fruchtigen, treffsicher heraus. Lediglich Schilchercreme und Maronenfülle ließen ihre Genießer im Dunkeln tappen. Dafür wurden Propolis und Kurkuma erschmeckt, obwohl in den Pralinen davon keine Spur war. Liegt vielleicht daran, dass wir nach Kombinationen wie Schweinsgrammeln mit Nougat und Forelle mit Kokos automatisch mit etwas Ausgefallenem rechnen. Dabei braucht es für richtig gute Schokolade nicht mehr als richtig guten Kakao und am besten mindestens 70 Prozent davon.

Warum man(n) am Valentinstag mit Schokolade immer falsch liegt.

14 Feb

Bild: Chocolate Heart © Rev Dan Catt

Heute ist Valentinstag. Und was schenkt man seiner Liebsten? Blumen. Richtig. Oder was Süßes. Falsch. Pralinen und Co sind zwar gut gemeint, lassen aber auch allerhand Raum für Interpretationen. Und im Interpretieren sind wir Mädels einsame Spitze. So gut, dass wir auch jeden ungeschmiedeten Plan des Herzallerliebsten sofort durchschauen.

Er schenkt Schokolade: „Will der mit dem ganzen Süßkram etwa sämtliche eiserne Diätpläne, gute Vorsätze und qualvolle Stunden im Fitnesscenter zu Nichte machen? Das ist ja geradeso als würde man einem Neo-Nichtraucher eine angezündete Zigarette in die Hand drücken. So was grenzt nicht mehr an Ignoranz, sondern an Boshaftigkeit. Und die hat am Valentinstag wirklich nichts verloren!“

Er schenkt Billigsdorfer-Schokolade: „Soso, ist sich mit dem Wechselgeld von der Tankstelle noch schnell eine Tafel No-Name-Schokolade ausgegangen. Aber ich brauch ja auch keine handgeschöpfte Edelzartbitter mit Champagner-Creme und Mohn-Trüffel-Fülle als Liebesbeweis. Da kommt mir auch schon eine super Idee für unseren Jahrestag: Wie wär’s mit einem Romantikdinner bei Mc Donald’s?“

Er schenkt die falsche Schokolade: „Jetzt kennen wir uns schon so lange, ich kenn alle peinlichen Kinderfotos von ihm, seine Eltern kennen mich betrunken, beleidigt und nur mit einem Handtuch bekleidet, aber meine Lieblingsschokoladensorte kennt er noch immer nicht. Tja, meine ganz spezielle Valentinstagsüberraschung wird er dann wohl auch nie kennenlernen.“

Er schenkt keine Schokolade: „Wie, gar keine Schokolade? Soll das etwa heißen, ich bin zu dick? So dick, dass eine einzelne Nougatpraline das Fass – also mich – zum Überlaufen, oder schlimmer noch, direkt zum Platzen bringen würde? Soweit kommt’s noch, dass ich mich von einem Mann auf Diät setzen lasse. Und das auch noch ausgerechnet am Valentinstag!“

Bei so viel weiblicher Interpretationsgabe bleibt einem wohl nur, es schließlich doch wieder mit der obligatorischen Schokolade zu probieren. Im Gegensatz zu Blumen und Parfum hat man, wenn’s schief geht, wenigstens gleich einen Seelentröster.

 

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